Auf in den «Ring»
Ein Sonntagmorgen in Kassel. Die Stadt liegt noch im Schlummer. Auch rund ums Staatstheater am Friedrichsplatz sind nur einige versprengte Frühjogger zu sehen. Doch in einem der Zimmer brennt Licht. Und dort empfängt, nur zehn Stunden nach der begeistert aufgenommenen Premiere von Leoš Janáčeks «Jenůfa», Francesco Angelico zum Gespräch.
Seit Beginn dieser Spielzeit ist der gebürtige Sizilianer Generalmusikdirektor in Kassel.
Er folgt auf Patrik Ringborg, der dort in zehn Jahren – schlank, zügig und zeitlos modern, zuweilen etwas uniform – vor allem das Kernrepertoire dirigierte: viel Wagner, dazu Strauss, Puccini, Mozart.
Angelicos Prioritäten sind andere. Früh hat er sich auf zeitgenössische Musik konzentriert, auch reiche Opernerfahrungen gesammelt; unter anderem war er vier Jahre lang Chef in Innsbruck, er gastiert regelmäßig an großen Häusern. Mit seiner zweiten Kasseler Premiere (nach «Andrea Chénier») demonstriert der Dirigent, der zunächst Cello studierte, um «auch die Musikerperspektive kennenzulernen», eindrucksvoll sein Können: Das Orchester klingt hinreißend differenziert, delikat, dynamisch reich gestaffelt. Das Zusammenspiel zwischen Bühne und Graben funktioniert ...
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Opernwelt April 2018
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Regine Müller
Oper oder Oratorium? Das ist hier nicht die Frage. Die Fakten sind eindeutig. Und besagen, dass «Saul», uraufgeführt am 16. Januar 1739 im King’s Theatre am Haymarket zu London, ein geistliches, typisch englisches Oratorium ist, in dem Georg Friedrich Händel, wie schon bei «Esther», «Deborah» und «Athalia», auf ingeniöse Weise Merkmale der italienischen Seria mit...
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Paris, 1833: Die Inszenierung von Aubers Oper «Gustave III ou Le bal masqué» hatte es dem schwedischen Botschafter ganz besonders angetan. Das Bühnenbild des letzten Akts, der Bühnenraum des Opernhauses in Stockholm, schien ihm so täuschend echt, dass er sich für einen Moment in der Heimat wähnte. 185 Jahre später scheinen uns solche Reaktionen reichlich naiv. Die...
