Auf Höhe der Zeit
Bereits seit 2005 nimmt das «Morgenland Festival» in Osnabrück alljährlich die Musikkultur des Vorderen Orients in den Blick und weitet die Perspektive von traditioneller Musik bis zu Avantgarde, Rock und Jazz. Höhepunkt der aktuellen Ausgabe ist ein spartenübergreifendes Projekt in Koproduktion mit dem Theater Osnabrück: «Songs for Days to Come» des aus Syrien gebürtigen Komponisten, Klarinettisten und Improvisators Kinan Azmeh. Die «Songs» sind seine erste Arbeit für das Genre Oper.
Zustande kam das Projekt auf Betreiben des neuen Intendanten Ulrich Mokrusch, der künftig in jeder Saison ein bestimmtes Partnerland in den Spielplan einbeziehen will; Azmeh war ihm vom «Morgenland»-Intendanten Michael Dreyer empfohlen worden. Der Komponist seinerseits hatte spontan die Idee, drei bereits vorhandene Liedzyklen auf 15 Gedichte lebender syrischer Dichterinnen und Dichter zu verarbeiten und zu einer Handlung zu verknüpfen. Zusammen mit Prosatexten von Liwaa Yazij und Mohammad Abou Laban bilden sie das Libretto; die Tonspur wurde für das Osnabrücker Symphonieorchester, Opernchor und Solisten umgearbeitet und erweitert.
Das Ergebnis ist ein echter Wurf: schnörkellos, direkt, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt 8 2022
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Regine Müller
Des Straussen Richards Oscar-Wilde-Vertonung
Schrieb Erstgenannter kurz nach Fin de Siècle.
Sie spielt in dem Herodes seiner Wohnung,
Zur Bibelzeit, mit manchem Sex-Geschmäckle.
Herodes Tochter will kein Finger-Food!
Nein, nein, sie will den Typen aus dem Keller.
Doch der will nicht – sie krächzt vor Wut, will Blut.
Sie brüllt und sagt: «Okay, bringt einen...
Endlich entdeckt man flächendeckend die Musik von Komponistinnen! Komponistinnen komponierten im Laufe der Jahrhunderte (wenn überhaupt) aus bestimmten sozialen Milieus und Umständen heraus: vor dem 16. Jahrhundert fast gar nicht, im 17. und frühen 18. Jahrhundert als Nonnen musikbeflissener Klöster, im späteren 18. Jahrhundert als Adelige (oder Adel-Assoziierte),...
Die Frage ist gut: Warum hat Johann Sebastian Bach zeitlebens keine Oper komponiert? Iso Camartin, Philologe und Essayist, von 1985 bis 1997 Professor für rätoromanische Literatur und Kultur an der Universität Zürich und bekennender Opernliebhaber, geht ihr mit einer Unbefangenheit nach, die man ihm als Naivität auslegen könnte – mit der Begründung nämlich, Bach...
