Auf ewig verloren
Zu fragmentarisch ist Welt und Leben, / Ich will mich zum deutschen Professor begeben; / Der weiß das Leben zusammenzusetzen, / Und er macht ein verständliches System daraus. / Mit seinen Nachtmützen und Schlafrockfetzen / Stopft er die Lücken des Weltanbaus.» Ohne anklägerisches Pathos hat Heinrich Heine, grimmig ironisch, die große Vergeblichkeit skizziert, vor der alle Sinnsuche vergeht, jeglicher «Überbau» scheitern muss.
Heines Verse indes sprechen nicht nur Weltschmerz und -ekel, den ennui, aus, sie sind auch ästhetischer Einspruch gegen die Klassikerdoktrin vom rundum gelungenen Werk: Alles bleibt Fragment. Und in wenigen Opern wird diese Doppel-Fatalität so deutlich wie in Puschkin-Tschaikowskys «Eugen Onegin». Das Stück ist in letzter Zeit ein wenig hinter «Pique Dame» zurückgetreten. Begegnet man ihm nun nach einiger Zeit wieder, fühlt man sich erneut bewegt, ja attackiert: vorausgesetzt, dass nicht Uralt-Klischees von Birkenwald, Schnitterglück und Festball die «Lyrischen Szenen» obsolet wirken lassen.
Schon die Titelfigur und ihr Umfeld sind nicht so altmodisch wie es scheint. Noch heute gibt es junge Männer aus betuchter Familie, die sich um ihre ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Gerhard R. Koch
Schottisches Hochland auf der Leinwand – gemalt, bühnenfüllend. Von der Seite nähern sich drei schwarze Gestalten mit leichenblassen Masken: die Hexen. Ihre langen, knöchernen Finger deuten nach vorne, in die Zukunft. Paukengrollen. Die Gestalten verschwinden. Sie werden wiederkommen – und das Unheil mit ihnen.
Schon im ersten Bild von Donizettis «Lucia di...
Das Datum war geschichtsträchtig, nachgerade prophetisch; freilich unbewusst. Schließlich konnte am 27. Januar 1667, als man in Dresden das «Churfürstliche Opernhaus am Taschenberg» eröffnete (nach seinem Erbauer wurde es auch das «Klengelsche» genannt), niemand wissen, dass dieses Gründungsdatum der Dresdener Oper just der Tag war, an dem 89 Jahre später in...
Die Wohnung hat keine Katzenklappe. Dafür eine hohe Gründerzeit-Tür, die ins Nichts hineinführt, in den freien Fall. Auch der Rest des Bühnenbildes am Staatstheater Hannover hängt buchstäblich in der Luft, als eine Kippfigur, schräg und surreal, wie die zwölftönig zwitschernden Fabeltiermenschen, die es bevölkern.
Einen Spaß hatte Hans Werner Henze sich machen...
