Auf ewig verloren
Zu fragmentarisch ist Welt und Leben, / Ich will mich zum deutschen Professor begeben; / Der weiß das Leben zusammenzusetzen, / Und er macht ein verständliches System daraus. / Mit seinen Nachtmützen und Schlafrockfetzen / Stopft er die Lücken des Weltanbaus.» Ohne anklägerisches Pathos hat Heinrich Heine, grimmig ironisch, die große Vergeblichkeit skizziert, vor der alle Sinnsuche vergeht, jeglicher «Überbau» scheitern muss.
Heines Verse indes sprechen nicht nur Weltschmerz und -ekel, den ennui, aus, sie sind auch ästhetischer Einspruch gegen die Klassikerdoktrin vom rundum gelungenen Werk: Alles bleibt Fragment. Und in wenigen Opern wird diese Doppel-Fatalität so deutlich wie in Puschkin-Tschaikowskys «Eugen Onegin». Das Stück ist in letzter Zeit ein wenig hinter «Pique Dame» zurückgetreten. Begegnet man ihm nun nach einiger Zeit wieder, fühlt man sich erneut bewegt, ja attackiert: vorausgesetzt, dass nicht Uralt-Klischees von Birkenwald, Schnitterglück und Festball die «Lyrischen Szenen» obsolet wirken lassen.
Schon die Titelfigur und ihr Umfeld sind nicht so altmodisch wie es scheint. Noch heute gibt es junge Männer aus betuchter Familie, die sich um ihre ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Gerhard R. Koch
Beim ARD-Wettbewerb im September 2015 hinterließ die amerikanische Sopranistin Emalie Savoy, wie Klaus Kalchschmid in der «Süddeutschen Zeitung» berichtete, einen überwältigenden Eindruck – zum einen durch die dramatische Unmittelbarkeit ihres Singens, zum anderen durch die Leuchtkraft ihres expansiven lyrischen Soprans, in dessen Klang sich bereits eine...
Zu den Schriftstellern, die es wagten, Unerträgliches, konkret: das in zwei Weltkriegen und dem Holocaust kulminierende Inferno des 20. Jahrhunderts zu thematisieren, gehört Peter Weiss. Im November wäre er einhundert Jahre alt geworden. Im schwedischen Exil überlebend, hinterließ er vielfältige Texte, Gemälde, Zeichnungen und Experimentalfilme. Aber so wie...
Seltsam, dass das im Nationaltheater München keiner komisch findet. Wenn die Solo-Posaune, drastisch vom b übers a und as zum g herabschmierend, postkoitale Erschlaffung illustriert und acht Takte später noch dreimal, im Gestus ähnlich, mit fallender Sekunde von versiegender Manneskraft quäkt. Es ist eine berühmt-berüchtigte Opernszene, unverstellt hat Dmitri...
