Meistersinger
Es ist misslich, wenn ein Stück als Spielmaterial für die Einfälle des Regisseurs gebraucht wird. Während der länger als vier Stunden dauernden Aufführung von Giacomo Meyerbeers «Les Huguenots» in der Deutschen Oper Berlin wurde es zunehmend mühsamer, hinter den nach dem Prinzip von Show & Entertainment arrangierten Einfällen des britischen Regisseurs David Alden eine klare Idee zu entdecken.
Er begnügt sich damit, aus dem gesellschaftlichen Spielplatz von Meyerbeers Geschichtsdrama über die Bartholomäusnacht von 1572 einen Privatspielplatz zu machen mit assoziativen Chiffren, die das Publikum zu enträtseln hat. So etwa, wenn er im ersten Akt bei der Festivität im Hause des Grafen Nevers die sich verlustierenden Gäste zu Offenbach-Marionetten macht; wenn er Riesenrösser auf die Bühne rollen lässt, die aus schwer erfindlichen Gründen von der Königin oder Raoul mit Hilfe einer klappernden Leiter bestiegen werden müssen; wenn im dritten Akt die Konfliktparteien nicht an der Seine und im Freien, sondern bei einem schein-ökumenischen Gottesdienst aufeinandertreffen; und schließlich, wenn es im vierten Akt ein Plakat mit der Aufschrift «Dieu le veut» braucht, um den ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Jürgen Kesting
Kürzlich hat die Lyric Opera in Chicago einen neuen «Ring»-Zyklus gestartet, nun lässt sie mit Berlioz’ «Les Troyens» ein weiteres Opus von epischer Breite folgen. Eine echte Premiere: Das Werk war in Chicago nie zuvor zu sehen (die bislang einzigen amerikanischen Produktionen gab es in San Francisco, Boston, New York und Los Angeles). Ein Jammer, dass man nur...
Die Wohnung hat keine Katzenklappe. Dafür eine hohe Gründerzeit-Tür, die ins Nichts hineinführt, in den freien Fall. Auch der Rest des Bühnenbildes am Staatstheater Hannover hängt buchstäblich in der Luft, als eine Kippfigur, schräg und surreal, wie die zwölftönig zwitschernden Fabeltiermenschen, die es bevölkern.
Einen Spaß hatte Hans Werner Henze sich machen...
Venedig ist ans Wasser gebunden – auf Gedeih und Verderb. Einst nannte man die Stadt im nordöstlichen Tiefland Italiens die «Königin der Meere». Doch sie wird von der Adria auch immer wieder angegriffen. «Aqua granda» nennen die Einheimischen die tückischen Fluten, die der Scirocco vor allem im Herbst in die Lagune drückt. «Alle Jahre wieder, Anfang November /...
