Auf ein Bier mit Bizet
Sind wir hier richtig – in einer Boule-Bar? Die befindet sich im Osloer Multikulti-Stadtteil Grønland, die Speisekarte bietet American Diner an, auf den Bildschirmen wird Werbung gemacht für ein Pokerturnier – und eben für Boule-Events. Einen Opernabend erwartet man in diesem Umfeld wirklich nicht. Nur sieben Prozent der Norweger geben an, sich für Oper zu interessieren. Menschen wie Gjøril Songvoll wollen das ändern. Sie wollen die Oper zu den Menschen bringen, auf Norwegisch: «Opera til Folket» – zum Beispiel hier.
Zwei Stunden später. Das Publikum im übervollen Restaurant rastet vor Begeisterung aus. Thomas Ruud – in Deutschland erinnert man sich an seine Auftritte an den Staatsopern in Stuttgart und Hannover – hat soeben «Nessun dorma» aus Puccinis «Turandot» geschmettert. Anmoderiert hat er den Evergreen selbst, in Entertainer-Manier wie seine Kollegen an diesem Abend. Aus dem Publikum kommt viel Zwischenapplaus und Gelächter; so bunt gemischt wie hier ist es wohl kaum irgendwo: Opernfreaks, Neulinge, Studentencliquen, eine Gruppe aus Pakistan, die zufällig reingeschneit kam und dann, am Tresen stehend, begeistert blieb.
Auch neben dem Klavier (einen Flügel oder eine Bühne ...
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Opernwelt August 2025
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Stephan Knies
Es gibt das Phänomen des mittelmäßigen Fußballers, der später ein überragender Trainer wird. Da darf man bestimmt Jürgen Klopp nennen, Thomas Tuchel und aus der jüngeren Generation Sebastian Hoeneß. Jorma Panula, der am 10. August seinen 95. Geburtstag feiert, hat als aktiver Dirigent nicht allzu viele bleibende Spuren hinterlassen (auch wenn es in den...
Sie war eine Göttin schon ihrem Vornamen nach. Doch nicht deswegen betörte Célestine Galli-Marié eine ganze Generation von Opern-Aficionados in der Zauberstadt Paris. Es war ihre Stimme, ihr Spiel, die das Publikum magnetisch anzog und einige der besten Komponisten des Landes dazu anregte, Bühnenwerke zu komponieren, die der französischen Sopranistin auf den Leib,...
Io moro!», seufzt Sara – und sinkt mit einer lakonischen Orchesterkadenz ohnmächtig zu Boden. Man kann sie verstehen: In Metastasios oft vertontem Oratorienlibretto bleibt der Erzmutter des Volkes Israel wirklich nichts erspart. Und in dieser Produktion des «Isacco» der Komponistin Marianna Martines (1744–1812) noch weniger.
Die Genesis lässt es offen, aber...
