Auf der Kippe
Das Bonmot, dass Tradition nicht die Verehrung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers sei, stammt keineswegs, wie oft behauptet, von Gustav Mahler, sondern aus der Wortschatzkammer des französischen Sozialdemokraten Jean Jaurès. Doch natürlich passt die Metapher auch gut nach Wien, wo noch vor nicht allzu ferner Zeit Besucher eine hochrangig besetzte Aufführung von Bergs «Wozzeck» türenknallend verließen. Zeitgenössische Musik musste sich an den großen Opernhäusern der Stadt lange vorkommen wie der Parvenü vom Lande, der alle paar Jahre mal gnädig zum Diner geladen wird.
Auch wenn diese Perspektive sich seit ein paar Jahren etwas zu relativieren schien, da etwa die Wiener Staatsoper zumindest ein zeitgenössisches Stück pro Spielzeit als Neuinszenierung oder gar Uraufführung herausbrachte, sind doch wichtige Werke der Moderne an Wiens ersten Häusern vorbeigegangen, darunter Ligetis «Le Grand Macabre», Messiaens «Saint François d’Assise», Reimanns «Lear» und Adams’ «Nixon in China». Für Pendereckis Musiktheater «Die Teufel von Loudun» reichte es 1973 – dank eines Gastspiels der Oper Stuttgart – immerhin zu einem Kurzbesuch an der Staatsoper.
In die Bresche sprang angesichts ...
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Opernwelt Juli 2021
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Gerhard Persché
Duisburg
«Romeo und Julia»
Wer Charles Gounods Vertonung des Shakespeare-Stoffes im Ohr hat, wird sich selbiges einigermaßen verwundert reiben. Diese Musik ist ganz anders: spröder, kühler, distanzierter, ja man könnte sagen: verschrobener. Und das mit Grund: Der Komponist heißt Boris Blacher, sein Stück stammt aus dem Jahr 1943. Und entheroisiert das Sujet...
Im Liedgesang ist das vokale Gender Crossing noch immer die Ausnahme. Die Geschlechtergrenzen scheinen wenig durchlässig, Schuberts «Schöne Müllerin» und seine «Winterreise», Schumanns «Dichterliebe» so unbestritten männliches Territorium wie Wagners «Wesendonck-Lieder» oder Strauss’ «Vier letzte Lieder» autochthone Sopran-Domäne. Sängerinnen wie Lotte Lehmann,...
alpha
04.07. – 21:45 Uhr
Klassik am Odeonsplatz 2015
11.07. – 21:45 Uhr
Klassik am Odeonsplatz 2016
18. und 25.07. – 21:45 Uhr
Klassik am Odeonsplatz 2017 (Teil 1 und 2)
arte
04.07. – 17:20 Uhr
Messiaen: Quatuor pour la fin du temps
S: Pierre-Laurent Aimard (Klavier), Jean-Guihen Queyras (Violoncello), Isabelle Faust (Violine), Jörg Widmann (Klarinette)
05.07. –...
