Auf der Kippe
Das Bonmot, dass Tradition nicht die Verehrung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers sei, stammt keineswegs, wie oft behauptet, von Gustav Mahler, sondern aus der Wortschatzkammer des französischen Sozialdemokraten Jean Jaurès. Doch natürlich passt die Metapher auch gut nach Wien, wo noch vor nicht allzu ferner Zeit Besucher eine hochrangig besetzte Aufführung von Bergs «Wozzeck» türenknallend verließen. Zeitgenössische Musik musste sich an den großen Opernhäusern der Stadt lange vorkommen wie der Parvenü vom Lande, der alle paar Jahre mal gnädig zum Diner geladen wird.
Auch wenn diese Perspektive sich seit ein paar Jahren etwas zu relativieren schien, da etwa die Wiener Staatsoper zumindest ein zeitgenössisches Stück pro Spielzeit als Neuinszenierung oder gar Uraufführung herausbrachte, sind doch wichtige Werke der Moderne an Wiens ersten Häusern vorbeigegangen, darunter Ligetis «Le Grand Macabre», Messiaens «Saint François d’Assise», Reimanns «Lear» und Adams’ «Nixon in China». Für Pendereckis Musiktheater «Die Teufel von Loudun» reichte es 1973 – dank eines Gastspiels der Oper Stuttgart – immerhin zu einem Kurzbesuch an der Staatsoper.
In die Bresche sprang angesichts ...
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Opernwelt Juli 2021
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Gerhard Persché
Ich war zehn. Ich dürfe, sagte mein Vater, meine Mutter abends in die Operette begleiten: Abonnement-Gastspiel des Städtebundtheaters aus Hof mit dem «Vogelhändler» von Carl Zeller. Ich kannte die Musik, weil im elterlichen Hause viel Operette gehört wurde und, ja, ich mochte sie. Kurzum, ich freute mich auf meinen ersten abendlichen Theaterbesuch. Es sollte der...
Herr Nitsch, es sind immer wieder Parallelen gezogen worden zwischen dem Werk Richard Wagners und Ihrer eigenen Aktionskunst: beispielsweise die Verschmelzung mehrere Kunstformen, die Mehrtägigkeit der Aufführungen wie beim «Ring», die Faszination für die griechische Tragödie, für Ritual und Mythos. Wie würden Sie selbst Ihr Verhältnis zu Wagner beschreiben?
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62. Jahrgang, Nr 7
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
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Best.-Nr. 752346
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