Auf der Achterbahn
Judith Weir korrigiert in ihrer 2011 als Koproduktion der Bregenzer Festspiele und der Royal Opera Covent Garden uraufgeführten Oper «Miss Fortune» eine trügerische Märchenbotschaft: Gutsein und Können allein reichen nicht, wenn das Leben gelingen soll. Die britische Hofkomponistin vertonte ein sizilianisches Märchen aus der Sammlung von Giuseppe Pitrè, das Werk könnte das schmale Erfolgsrepertoire intelligenter und groß besetzter abendfüllender Opern für junges Publikum bereichern.
Zur zweiten Vorstellung der deutschen Erstaufführung in englischer Sprache applaudiert das Publikum im Theater Hildesheim begeistert der üppigen tonalen, hermetisch wirkenden Partitur. Die wellenartig und in periodischen Schichtungen fließende Instrumentation sowie eine hohe Kantabilität der Solopartien bescheren dem Werk und dem jungen Ensemble vollauf zu Recht einen großen Erfolg. Die Komponistin räsonierte derweil auf ihrem Blog über den deutschen Titel «Achterbahn», einem Symbol für den Wandel von Wohlstand in Armut und alle daraus erwachsenden Missgeschicke. Der Chor, dem Weir in ihrem eigenen Textbuch umfangreiche Aufgaben zuteilte, kommt als Opfer prekärer Verhältnisse mit Schmutzfarben ins ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Panorama, Seite 63
von Roland H. Dippel
Nach dem zaghaft wirkenden Start vor einem halben Jahr (siehe OPERNWELT 12/2024) nimmt die Gesamtausgabe von Donizettis Liedern nun richtig Fahrt auf. Die dritte und vierte CD – acht sind insgesamt geplant – bringen so viele Kompositionen von herausragender Qualität, dass man sich an ihnen gar nicht satthören mag. Dies gilt insbesondere für die Scheibe mit Michael...
La Monnaie» begibt sich für die Opernnovität ins «Theâtre National de Wallonie». Was naheliegt, denn Michael De Cock, der Chef des Hauses für die frankophonen und frankophilen Belgier, fungiert als Librettist. Sein Text greift auf ein im Verein mit Carme Portaceli verfasstes Stück zurück. Nicht Flauberts Roman hat also den Weg zur Oper direkt vorgezeichnet, der...
Der Berg ruht. Ist ganz jener «starrende Fels», wie ihn Ludwig Rellstab in seinem Gedicht «Der Aufenthalt» besungen und Franz Schubert ihn in jenes elegische e-Moll-Lied gekleidet hat, dessen trockene Triolen noch nach dem Schlusston weiter durch Hirn und Herz pochen. Das bewaldete Gebirg’, welches die 17.000-Seelen-Gemeinde zur Schweizer Grenze schutzgebietend...
