Auf der Achterbahn
Judith Weir korrigiert in ihrer 2011 als Koproduktion der Bregenzer Festspiele und der Royal Opera Covent Garden uraufgeführten Oper «Miss Fortune» eine trügerische Märchenbotschaft: Gutsein und Können allein reichen nicht, wenn das Leben gelingen soll. Die britische Hofkomponistin vertonte ein sizilianisches Märchen aus der Sammlung von Giuseppe Pitrè, das Werk könnte das schmale Erfolgsrepertoire intelligenter und groß besetzter abendfüllender Opern für junges Publikum bereichern.
Zur zweiten Vorstellung der deutschen Erstaufführung in englischer Sprache applaudiert das Publikum im Theater Hildesheim begeistert der üppigen tonalen, hermetisch wirkenden Partitur. Die wellenartig und in periodischen Schichtungen fließende Instrumentation sowie eine hohe Kantabilität der Solopartien bescheren dem Werk und dem jungen Ensemble vollauf zu Recht einen großen Erfolg. Die Komponistin räsonierte derweil auf ihrem Blog über den deutschen Titel «Achterbahn», einem Symbol für den Wandel von Wohlstand in Armut und alle daraus erwachsenden Missgeschicke. Der Chor, dem Weir in ihrem eigenen Textbuch umfangreiche Aufgaben zuteilte, kommt als Opfer prekärer Verhältnisse mit Schmutzfarben ins ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Panorama, Seite 63
von Roland H. Dippel
Zur Signatur des Ende dieser Spielzeit scheidenden Dramaturgen-Intendanten Peter de Caluwe gehören die Pasticcios, lässig alle Werkgrenzen überschreitenden Mash Ups, die gängiges Repertoire als Material verstehen, das auf dem Weg der Dekonstruktion neu ausgeleuchtet wird. Mit einer «Trilogia Mozart Da Ponte» begann es vor fünf Jahren, es folgten der...
Das Genie des Leidens sitzt vorne rechts, am äußersten Rand der Bühne, an einem viel zu kleinen Schreibtisch. Oder besser: Ein Teil von ihm sitzt dort, umgeben von Büchern, Notizheften, einem rotleuchtenden Blümlein, einer Flasche Wein und anderen nützlichen oder weniger nützlichen Utensilien. Harry Haller, «ein Mann von annähernd fünfzig Jahren», wie sein Schöpfer...
Als ich Giselher Klebe im März 2006 in Detmold zu einem Gespräch traf, galt meine letzte Frage der Zukunft der Oper als komponierter Form, wie er sie betrieben hat. Seine Antwort war niederschmetternd: «Es besteht die Gefahr, dass sie keine Zukunft hat.» Aufgeführt wurden seine Bühnenwerke schon damals kaum mehr, und diskographisch war es um ihn seit jeher schlecht...
