Hilflos auf Erden
La Monnaie» begibt sich für die Opernnovität ins «Theâtre National de Wallonie». Was naheliegt, denn Michael De Cock, der Chef des Hauses für die frankophonen und frankophilen Belgier, fungiert als Librettist. Sein Text greift auf ein im Verein mit Carme Portaceli verfasstes Stück zurück. Nicht Flauberts Roman hat also den Weg zur Oper direkt vorgezeichnet, der lief über das Sprechtheater. «Bovary» zeigt sich über weite Strecken auf einen Monolog der Titelfigur reduziert. Der setzt ein, nachdem sie sich Gift verabreicht hat, und endet mit ihrem Tod.
Indes kann von Agonie im medizinischen Sinn keine Rede sein. Entsetzlicher als die Qualen des Fleisches peinigen die Moribunde die Konvulsionen der Seele. Wahrlich ist ihr auf Erden nicht zu helfen. Weder Ehe noch Liebhaber, weder Tochter noch Kaufrausch eröffnen Auswege aus Lieblosigkeit und provinzieller Öde. Im Sterben führt sie Generalklage wider alle Bedrückung – Flaubert, der sie an die trostlosen Verhältnisse des Romans kettete, nicht ausgenommen. Letztes ein Vorwurf, dem sich die ungeliebte Tochter im Epilog anschließt.
Harold Nobens Partitur sieht ein Orchester ungefähr in Mozartstärke vor. Solistisches Klavier und Cello ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Panorama, Seite 61
von Michael Kaminski
Die Komponistin», so Virginia Woolf 1929 in ihrem Essay «Ein Zimmer für sich allein», «steht heute noch da, wo zu Shakespeares Zeiten die Schauspielerin stand» – im Abseits. Und sie zitiert das Verdikt eines Kritikers: «Das Komponieren einer Frau ist wie das Laufen eines Hundes auf den Hinterbeinen. Es geht nicht besonders, doch man ist überrascht, dass es...
Das falsche Stück zur falschen Zeit am falschen Ort: So lautet das traurige Fazit nach der Uraufführung von «Adam und Eva» zur Eröffnung der diesjährigen Schwetzinger SWR-Festspiele. Angekündigt war Mike Svobodas Musiktheater nach dem gleichnamigen Schauspiel des einstigen Erfolgsautors Peter Hacks, der 1955 aus politischer Überzeugung von der BRD in die DDR...
Die Machos können beruhigt sein. Männer am Herd, Frauen an der Macht, dies sogar mit einer Generalin an der Spitze, so etwas bleibt beschränkt auf eine Enklave im Ozean. Zumindest in jener «verdrehten Welt», die Antonio Salieri auf ein Libretto von Caterino Tommaso Mazzolà imaginierte. «Il mondo alla rove -scia» heißt der Zweieinhalbstünder im Original und...
