Auf dem Hochseil der Affekte

Vivaldis «Farnace», Glucks «Ezio» und Duetti da camera aus dem Settecento: neue Aufnahmen mit Max Emanuel Cencic und Philippe Jaroussky

Unter den zahlreichen prominenten Countertenören unserer Zeit spielt Max Emanuel Cencic die Rolle eines Paradiesvogels, der durch sein Interesse an ungewöhnlichen Repertoires ebenso auf sich aufmerksam macht wie durch die Metamorphosen seines äußeren Erscheinungsbilds. Gesanglich gehört er seit vielen Jahren zu den herausragenden Vertretern seines Stimmfachs, und diesen Rang unterstreichen gleich drei jüngst erschienene Aufnahmen, an denen er prominent beteiligt ist.



In der von Diego Fasolis geleiteten Einspielung von Vivaldis «Farnace» ist Cencic in der Titelpartie zu hören. Vivaldi hat mehrere Fassungen des «Farnace» hinterlassen; die hier vorgelegte Version geht auf eine Partitur zurück, die 1738 für Ferrara entstand, aber schon im Vorfeld der ersten Aufführungen von den Verantwortlichen vor Ort zurückgewiesen wurde, mit der Folge, dass der dritte Akt vom Komponisten unausgeführt blieb. In einem ausführlichen Rechenschaftsbericht legen Frédéric Delaméa und Diego Fasolis, der ebenso umsichtig wie lebhaft agierende Dirigent der Aufnahme, dar, warum sie sich dafür entschieden haben, das Werk nicht als Torso aufzunehmen, sondern eine Aufführungsfassung des letzten Akts zu erstellen, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Medien/CDs, Seite 28
von Thomas Seedorf

Weitere Beiträge
Posen oder Hörtheater

Sänger, die sich am eigenen Stimmklang berauschen und diesen Rausch inhaltsleer aufs Publikum übertragen, die jede tiefere, übers Gesangsplakat hinausgehende dramatische Aussage über eine Figur verweigern, sind traditionelle Feindbilder des Musiktheaters. Virulent werden diese nun erneut bei Angela Gheorghius neuem Studio-Recital «Homage to Maria Callas». Denn was...

Leben auf der Baustelle

Die erste Episode der großen Gala zur Wiedereröffnung des sanierten Bolschoi Theaters ließ Regisseur Dmitri Tcherniakov im Hier und Heute spielen. Kein Ton aus dem Orchester, kein Mucks aus den Kehlen der Sängerprominenz, stattdessen der Lärm von Baumaschinen und das Getrappel von rund hundert «Bauarbeitern». Erst als die plötzlich den Slawsja-Chor aus Glinkas «Ein...

«Ich bin keine Bella»

Frau Peretyatko, Ihr Debüt-Album bei Sony hat in Deutschland gute Kritiken erhalten. Nur: Kaum einer hat Sie je live gehört.
Stimmt leider. Soll besser werden. Im Dezember werde ich in Karlsruhe im «Rigoletto» singen, in Mannheim den «Liebestrank» und «Lucia di Lammermoor» in Berlin. In München ist ein Konzert im Herkulessaal geplant. Dann wieder Berlin und Hamburg,...