Auch Körper können lügen

Dresden | Sächsische Staatsoper | Verdi: Un ballo in maschera

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Seit vielen Jahren wird Verdis «Maskenball» vor allem als «politisches» Stück inszeniert. Doch dass in der (von der Zensur kassierten) Urfassung des Librettos der Schwedenkönig Gustav III. ermordet wird, ist für die Handlung eigentlich ohne Belang. In Dresden griff man nun auf die Fassung der Uraufführung (Rom, 1859) zurück, die das Geschehen nach Amerika verlegt. Allerdings könnte die auffällige Weichheit, die «feminine» Sensibilität, die Riccardo in Elisabeth Stöpplers Inszenierung auszeichnet, durchaus als Anspielung auf den bekanntermaßen homosexuellen Gustav III.

verstanden werden. Das Verhältnis des Grafen zu Amelia, der Frau seines Freundes Renato, ist jedenfalls, trotz aller Liebesschwüre, rein platonisch, zudem belastet von Skrupeln.

Stöppler zeichnet Riccardo als sexuell ambivalente Figur – schwarzes Abendkleid, geschminkte Augen. Um ihn her herrscht nicht erst im dritten Akt, sondern von Anfang an «Maskenball»: Alle sollen sein dürfen, was sie sein wollen, damit er sein kann, was er ist. Noch zwei andere können nicht aus ihrer Haut und also nicht aus ihren Kleidern: Amelia und Renato, das prototypische bürgerliche Paar – schon in Verdis Originalversion kontrastiert ihr ...

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Opernwelt November 2011
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Ingo Dorfmüller

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