Atemberaubend
Offenbach ist in unseren so unfest gewordenen Tagen besonders offen spielbar», schrieb Ernst Bloch vor bald einhundert Jahren über Jacques Offenbachs «Les Contes d’Hoffmann». Das scheint auch die Regisseurin Andrea Schwalbach gedacht zu haben und ließ sich von Anne Neuser einen perspektivisch leicht schräg versetzten Salon aus dunkel gebeiztem, massivem Holz bauen – Bild einer zeitlos saturierten Bürgerlichkeit, in dem sich eine geschlossene, bunt kostümierte Gesellschaft trifft, die es mit der Kunst hält.
Man trinkt, spielt und wartet auf den Dichter Hoffmann, der offensichtlich stets im Mittelpunkt steht und sich in seinem Outfit (lässige schwarze Kleidung, wallender Seidenschal) von den übrigen abhebt. Schwalbach erzählt kein Biopic. Sie verweigert konsequent die in vielen Inszenierungen dieses doppelbödigen Stücks im Zentrum stehende Frage, ob wir es mit der Lebensbeichte eines versoffenen Genies oder mit rein dichterischer Fantasie zu tun haben. Bei Schwalbach ist Hoffmann stets Erzähler und erzähltes Subjekt zugleich, für den das Erleben und Erfinden von Geschichten ineinander übergeht. Er taumelt zwischen ernüchternder Realität, traumatisierter Erinnerung und Halluzination, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt 12 2022
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Uwe Schweikert
All das Neue, was die Musikstadt Wien seit Beginn dieser Saison durchweht, hat mit dem Anfangen noch gar nicht aufgehört: Die Intendanzwechsel im Theater an der Wien sowie an der Volksoper haben erst eine kleine Handvoll an Produktionen nach sich gezogen, die grosso modo beim Publikum gut bis sehr gut angekommen sind – dazu gleich mehr. Im Haus am Ring hingegen hat...
Seine Karriere mutet an wie ein Märchen. Noch vor Abschluss seines Gesangsstudiums an der Stuttgarter Musikhochschule legte Konstantin Krimmel 2019 seine erste CD («Saga») mit Balladen der deutschen Romantik vor, die sofort ein voller Erfolg wurde und ihn als eines der größten Talente im Baritonfach auswies. Inzwischen ist er Preisträger mehrerer...
Der zynische Unterton im Titel ist wohl kein Zufall. Das Drücken der «Escape»-Taste beim Computer bewirkt im Normalfall den Abbruch eines Vorgangs, stellt einen ursprünglichen Zustand her. Das ist in den beiden neuen Einaktern, die das Theater Freiburg unter der Überschrift «Escape» vereint, so gut wie ausgeschlossen. Da sind einmal jene Menschen aus Vietnam, die...
