Atemberaubend
Offenbach ist in unseren so unfest gewordenen Tagen besonders offen spielbar», schrieb Ernst Bloch vor bald einhundert Jahren über Jacques Offenbachs «Les Contes d’Hoffmann». Das scheint auch die Regisseurin Andrea Schwalbach gedacht zu haben und ließ sich von Anne Neuser einen perspektivisch leicht schräg versetzten Salon aus dunkel gebeiztem, massivem Holz bauen – Bild einer zeitlos saturierten Bürgerlichkeit, in dem sich eine geschlossene, bunt kostümierte Gesellschaft trifft, die es mit der Kunst hält.
Man trinkt, spielt und wartet auf den Dichter Hoffmann, der offensichtlich stets im Mittelpunkt steht und sich in seinem Outfit (lässige schwarze Kleidung, wallender Seidenschal) von den übrigen abhebt. Schwalbach erzählt kein Biopic. Sie verweigert konsequent die in vielen Inszenierungen dieses doppelbödigen Stücks im Zentrum stehende Frage, ob wir es mit der Lebensbeichte eines versoffenen Genies oder mit rein dichterischer Fantasie zu tun haben. Bei Schwalbach ist Hoffmann stets Erzähler und erzähltes Subjekt zugleich, für den das Erleben und Erfinden von Geschichten ineinander übergeht. Er taumelt zwischen ernüchternder Realität, traumatisierter Erinnerung und Halluzination, ...
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Opernwelt 12 2022
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Uwe Schweikert
arte
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