Editorial Opernwelt 8/25
Kaum jemand konnte seiner Traurigkeit und leisen Bestürzung über den Zustand des (weiblichen) Ichs im patriarchal-geteilten Deutschland nach 1945 so plastisch-poetisch Ausdruck verleihen wie die Schriftstellerin Brigitte Reimann. «Alles schmeckt nach Abschied», notierte sie einmal in ihrem Tagebuch, und betrachtet man das Leben dieser Künstlerin, klingt der Satz wie eine selbsterfüllende Prophezeiung.
Reimann, die so radikal ehrliche Romane wie «Franziska Linkerhand» oder «Die Geschwister» schrieb und sich selbst als einsame Amazone sah, starb 1974 im zarten Alter von gerade einmal 39 Jahren an Krebs.
Alles schmeckt nach Abschied: Wirft man einen vorsichtigen Blick in die Runde, dann darf (oder muss?) dies auch als Motto für die gerade abgelaufene Spielzeit in den deutschsprachigen Opernhäusern gelten. Einige namhafte Intendantinnen und Intendanten haben, nicht immer freiwillig, ihre Sessel geräumt. Von besonderer Tragik war dabei der Tod Michael Börgerdings, der das Theater Bremen 2012 in einer nicht nur finanziell prekären Situation übernommen und es mit Geschick wieder in ruhigere Fahrwasser geführt hatte; der studierte Germanist und Philosoph, der das erworbene Wissen vor ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2025
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten
In die abstrakten Rakel-Bilder Gerhard Richters kann man vieles hineindeuten. Auch einen impressionistischen, gelb-grün gehaltenen Lichterdom eines Waldstücks. Und genauso sieht in Mainz der an Richters Stil angelehnte Bühnenhintergrund aus für Janáčeks Tier-Oper «Das schlaue Füchslein». Doch halt! Erleben wir hier wirklich singende Tiere auf der Bühne? Im Grunde...
Viel sagt der Geist des getöteten Königs nicht in Shakespeares «Hamlet». In drei Szenen tritt Hamlets Vater, der zuvor von seinem Bruder Claudius heimtückisch ermordet wurde, auf, nur in zweien davon erklingt seine Stimme. Und doch ist kaum eine Gestalt – sehen wir einmal von Banquos Wiedergänger in «Macbeth» ab – derart beunruhigend und binnen Sekunden imstande,...
Zum ersten Mal
Auftritt bei den Opernfestspielen von München: Susanna Mälkki dirigiert «Pénélope» von Gabriel Fauré. Es ist ein Abend der Premieren: Das Stück wird erstmals an der Bayerischen Staatsoper gezeigt, auch die finnische Dirigentin gibt ihr Debüt bei einer Neuproduktion. Die Inszenierung im Prinzregententheater übernimmt Andrea Breth. Wir fahren hin.
Aus...
