Geschmackvoll
Eine einzige Arie hat der Fürst Gremin in «Eugen Onegin» zu singen – Sava Vemić beschert sie am Gärtnerplatztheater dennoch den größten Szenenapplaus des Premierenabends. Und zu Recht. Einen Bass von solch authentischer Schwärze und derart wohlgerundeter Klangfülle hat in einer an tiefen Stimmen armen Zeit nicht jedes Haus in seinem Ensemble. Wie man hier überhaupt stolz ist, Tschaikowskys Oper gleich doppelt aus den eigenen Reihen besetzen zu können.
Mit kernig virilem, zugleich elegantem Bariton gibt Mathias Hausmann einen auch darstellerisch idealen Titelhelden ab. Camille Schnoor verfügt für die Tatjana über die nötige Mittellage, die sie auch in ein feines Piano zurücknehmen kann. Die emotionale Entäußerung geht Schnoor freilich noch so kontrolliert an, dass sie etwas kühl wirkt. Dafür klingt Lucian Krasznec als Lenski gerade aufgrund seiner intensiven Gestaltung bisweilen schneidend. Doch die Arie «Kuda, kuda» singt er in berührend feinen Verzweiflungsschattierungen.
Dass er seine Olga (mit schönem, frischem Mezzo: Anna-Katharina Tonauer) zuvor nicht küssen darf, motiviert die Inszenierung durch das Einschreiten von deren Mutter Larina, die Ann-Katrin Naidu zur echten ...
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Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Michael Stallknecht
Diese Übersicht bietet eine Auswahl der bei Redaktionsschluss (10. November) angekündigten Musiktheater- und Opernpremieren des Monats Dezember 2020. Informationen zu Wiederaufnahmen und Repertoirevorstellungen finden Sie auf den Websites der Häuser. Eine Liste mit Kontaktdaten gibt es online unter diesem Link: www.der-theaterverlag.de/serviceseiten/theaterlinks/
M...
Rainer Maria Rilke hatte vermutlich seinen Hegel gerade nicht zur Hand, als er, in den «Duineser Elegien» war es, die poetische These formulierte, das Schöne sei «nichts als des Schrecklichen Anfang». Vergegenwärtigen wir uns nur einmal die Geschichte von Orpheus, dem Ursänger, und seiner geliebten Eurydike, so mag dieses Wort des Dichters zwar zutreffen. Hört man...
Um Faust zur Unterschrift unter den höllischen Pakt zu bewegen, eröffnet Méphistophélès seinem Opfer einen magischen Durchblick: Marguerite erscheint als Zauberbild. Hornrufe und Harfenarpeggi signalisieren ein Reich des Wunderbaren. Auf diese kurze Szene in Gounods «Faust» von 1859 antwortet Camille Saint-Saëns fünf Jahre später in seiner Opéra fantastique «Le...
