Geschmackvoll
Eine einzige Arie hat der Fürst Gremin in «Eugen Onegin» zu singen – Sava Vemić beschert sie am Gärtnerplatztheater dennoch den größten Szenenapplaus des Premierenabends. Und zu Recht. Einen Bass von solch authentischer Schwärze und derart wohlgerundeter Klangfülle hat in einer an tiefen Stimmen armen Zeit nicht jedes Haus in seinem Ensemble. Wie man hier überhaupt stolz ist, Tschaikowskys Oper gleich doppelt aus den eigenen Reihen besetzen zu können.
Mit kernig virilem, zugleich elegantem Bariton gibt Mathias Hausmann einen auch darstellerisch idealen Titelhelden ab. Camille Schnoor verfügt für die Tatjana über die nötige Mittellage, die sie auch in ein feines Piano zurücknehmen kann. Die emotionale Entäußerung geht Schnoor freilich noch so kontrolliert an, dass sie etwas kühl wirkt. Dafür klingt Lucian Krasznec als Lenski gerade aufgrund seiner intensiven Gestaltung bisweilen schneidend. Doch die Arie «Kuda, kuda» singt er in berührend feinen Verzweiflungsschattierungen.
Dass er seine Olga (mit schönem, frischem Mezzo: Anna-Katharina Tonauer) zuvor nicht küssen darf, motiviert die Inszenierung durch das Einschreiten von deren Mutter Larina, die Ann-Katrin Naidu zur echten ...
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Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Michael Stallknecht
Moskaus Kultur ist lebendig, ungeachtet der zweiten Pandemiewelle, die mit täglich wachsenden Infektionszahlen über die Stadt rollt. Gleichwohl haben sämtliche Opernhäuser auf «Notdienst» umgestellt. Beispielsweise konnten nicht alle angesetzten «Don Carlos»-Vorstellungen im Bolschoi Theater stattfinden: Askar Abdrasakov (Filippo) und Anna Netrebko (Elisabetta)...
Philosophisch betrachtet, ist die Angelegenheit gar nicht so kompliziert, wie sie klingt. Alles Erkennen ist Erinnerung. Und das ganze Leben eine Wiederholung. Wiederholung und Erinnerung sind die gleiche Bewegung, nur in entgegengesetzter Richtung. Verfehlt man beide Kategorien, löst sich das ganze Leben in leeren Lärm auf. Vertraut man auf sie, ist man womöglich...
Erzählt wird eine Geschichte von nachgerade biblischer Archaik: Beim Ansturm der Tataren, wir schreiben das Jahr 1243, flehen die Bewohner der Stadt Kitesh zu Gott, er möge das Schicksal wenden und sie vor dem sicheren Tod bewahren. Der Höchste zeigt sich gnädig gestimmt und lässt die Stadt samt Einwohnerschaft kurzerhand im Erdboden versinken – alle sind gerettet!...
