Archaik und Wissenschaft
In Bonn stehen Oper und Schauspiel unter scharfem Sparbeschuss des SPD-Oberbürgermeisters. Mit seiner Weigerung einer Vertragsverlängerung wirkt Generalintendant Klaus Weise jedenfalls nicht wie ein Schlafwandler, sondern wie ein klar denkender Prinzipal, der sein Haus lieber nach guter Arbeit mit erhobenem Haupt verlässt, statt später die Scherben zusammenkehren zu müssen. So wirkt diese «Sonnambula» wie eine Erinnerung an die fetten Jahre unter dem Opernintendanten Jean-Claude Riber, als Geld keine Rolle spielte und die glanzvollsten Stars in der damaligen Bundeshauptstadt gastierten.
Weil aber Klaus Weise sich mehr für Aufbau und Pflege eines fähigen Hausensembles interessiert als für den internationalen Sänger- und Agentenzirkus, kann er jetzt größtenteils auf eigene, junge Kräfte zurückgreifen. Julia Novikova legt die Schlafwandlerin Amina als psychisch labile, verletzliche Kindfrau an – mit wunderbarer Piano-Intensität und schön geführten Koloraturen, denen mit ihren isolierten Spitzentönen und allzu vorsichtigen Bögen vielleicht noch die letzte Souveränität fehlt. Agiler und im dramatischen Ausdruck beherzter geht Emiliya Ivanova als Aminas Gegenspielerin Lisa an die Rampe, ...
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Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Panorama, Seite 66
von Michael Struck-Schloen
So viel Moderne war lange nicht mehr in Salzburg. Markus Hinterhäuser, dem Musikerintendanten für einen Sommer, wurde im Vorfeld übel mitgespielt. Der Erfolg des Sommers 2011 ist sein persönlicher Triumph. Dazu gehört eine Rückbesinnung auf Nonos «Prometeo» und das postdramatische Musiktheater; Janáceks «Die Sache Makropulos», von Christoph Marthaler mit einer...
Entwarnung. Eine neue Händel-Oper ist mit «Germanico» nicht entdeckt worden. Die
80-minütige «Serenata a sei» enthält weder politische noch erotische Intrigen, sie ist vielmehr eine typische Fürstenhuldigung in drei Szenen, die auf eine auch musikalisch aufregende Traumerzählung des Titelhelden hinauslaufen und das Lob des Habsburger-Kaisers Joseph I. (1678–1711)...
Blaue Lichtprospekte. Scherenschnitthafte Figuren. Dazu ein autistisches Beharren auf sich selbst. Wer hätte gedacht, dass bei einer solch asketischen Diät der Mittel, wie sie Robert Wilson an den Tag legt, eine so lange Karriere überhaupt möglich ist?
Viel ist anfangs gelästert worden über die «blöde-kunstgewerblichen Bildchen», über ein «Theater der Sinnlosigkeit,...
