Jeder hört auf seine Weise
Im Licht von John Cage und Fluxus verkündete Heinz-Klaus Metzger, deutscher Chefpropagandist der musikalischen Avantgarde, vor Jahren: Nur solche Musik sei heute noch Musik, die keine Musik sei, während Musik, die Musik sei, keine Musik sei. Was am Sonntagnachmittag des 24. Juli in der Salzburger Altstadt, in der an Mitwirkenden bislang umfangreichsten Aufführung von Cages «Musicircus» (1967), noch als Musik gelten darf und was nicht, entzieht sich freilich genauer Definition. Denn erlaubt ist, was gefällt (oder dem empfindlichen Ohr auch nicht gefällt).
Vereinbart wurde bloß der Ort und der zeitliche Rahmen. Eben: Salzburg, Altstadt, zwischen 16.00 und 16.45 Uhr. «Flash-Mob» nennt man solche Verabredung in Zeiten des Internets; der Medienregisseur Hubert Lepka, bekannt von seinen Großaktionen bei der Linzer «Ars Electronica», hat dies arrangiert. Und es funktioniert prächtig, trotz des berühmten Salzburger Schnürlregens (wobei die auf den Schirm treffenden Regentropfen eine zusätzliche akustische Dimension ergeben). So erlebt der durch Salzburg Flanierende alle nur möglichen Ton-, Laut- und Geräuschlandschaften: die Glocken des Doms; Sänger – professionelle, Dilettanten, Solisten, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Im Fokus, Seite 9
von Gerhard Persché
Mein lieber Schwan! Eigentlich taucht das Federvieh in Wagners «Lohengrin» erst gegen Mitte des ersten Akts auf. In Roman Hovenbitzers Inszenierung für das finnische Opernfestival in Savonlinna hat es seinen ersten Auftritt schon vor der Ouvertüre. Ein kleiner Junge hantiert an einem Wasserbecken mit einem Spielzeugschwan, und als nach längerem stummen Spiel das...
In Bonn stehen Oper und Schauspiel unter scharfem Sparbeschuss des SPD-Oberbürgermeisters. Mit seiner Weigerung einer Vertragsverlängerung wirkt Generalintendant Klaus Weise jedenfalls nicht wie ein Schlafwandler, sondern wie ein klar denkender Prinzipal, der sein Haus lieber nach guter Arbeit mit erhobenem Haupt verlässt, statt später die Scherben zusammenkehren...
Auch die Tiroler Festspiele in Erl haben in diesem Jahr mit «Tannhäuser» eröffnet – selbstbewusster Fingerzeig Richtung Bayreuth? Vielleicht nur Koinzidenz ohne Hintergedanken, trotzdem eine verblüffende Parallele. Natürlich hinkt der Vergleich, in vielerlei Hinsicht. Zum einen ist das Passionsspielhaus in Erl schon von der Klangarchitektur ein kompletter...
