Arbeit am Mythos
Nicht jedem Ende wohnt ein Zauber inne. Diesem schon. Eine Frau besteigt einen Fahrstuhl und entgleitet aus unserem Sichtfeld nach oben, ins Ungewisse, Ungefähre, vielleicht Unbewusste, das alles zuvor Gewusste gleichsam hegelianisch «aufhebt», sprich: zugleich auslöscht und bewahrt. Zuvor hat sie ein umfassendes Fazit gezogen und sich dabei ihrer mémoire volontaire bedient.
Noch einmal überdenkt und erträumt Brünnhilde, während sie den wild wuchernden Tonartengarten durchstreift (von fis-Moll über Es-Dur, C-Dur und As-Dur bis zum strahlenden A-Dur beim letzten Wort «Weib!») und nebenher Hagens martialisch gekleidete Mannen umstößt wie lästige Schachfiguren, ihr Leben. Und dann stellt Wotans Tochter in ihrem Schlussgesang diese eine wesentliche Frage, die niemand beantworten kann: «Wisst ihr, wie das ward?»
Zumindest das kann man nach der «Götterdämmerung» am Saarländischen Staatstheater Saarbrücken sagen: Intellektuell herausfordernd war sie, die Arbeit des Regieduos Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka. Eine verrückt-verspielte, wissenschaftlich-philosophische Denkübung, die zwar die Frage ausklammert, ob Gott oder doch Nietzsche tot ist, aber absichtsvoll jenes «Kunstwerk ...
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Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Jürgen Otten
Alles, was Oper kann!», wählte Tobias Kratzer als Motto für seine erste Spielezeit an der Hamburgischen Staatsoper. Alles, was Barockoper kann: So wiederum könnte man David McVicars Inszenierung von Händels «Giulio Cesare in Egitto» überschreiben. 2005, also vor über 20 Jahren, hatte diese Produktion Premiere beim Glyndebourne Festival, Christoph Seuferle, dem...
Schöner Titel: «Zu zweit», so sind die Erinnerungen von Irina Antonowna Schostakowitsch an ihre gemeinsam mit Dmitri Schostakowitsch verbrachten Jahre überschrieben. Sie verdanken sich, wie der gleichnamige Film aus dem Jahr 2022, dem unermüdlichen Versuch Elena Yakovichs, der dritten Ehefrau des Komponisten nahezukommen – was, wie die Autorin und Filmemacherin...
Maurice Ravel hat für das Musiktheater nur zwei Einakter komponiert: «L’Heure espagnole», eine erotische Komödie von 1911, und das 1925 uraufgeführte Märchenstück «L’Enfant et les sortilèges». Am Pfalztheater Kaiserslautern sind beide Werke an einem Doppelabend zu erleben. Anja Kühnholds «L’Enfant»-Inszenierung beginnt inmitten eines absurden mathematischen...
