Das jungenhafte Gesicht der Klassik

Ein Mann in Bernsteins Fußstapfen: Zum Tod des Dirigenten Michael Tilson Thomas

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Wir halten unsere Zeit mit MTT in höchsten Ehren und haben viel von ihm gelernt, (…). Es war eine große Ehre, ihn am Pult zu haben. Er wird uns sehr fehlen.» Es kommt nicht oft vor, dass eine Rockband den Tod eines Dirigenten betrauert. Bei Michael Tilson Thomas hingegen ist das der Fall: «Metallica» meldete sich nach dem Tod des US-Amerikaners würdigend zu Wort. Mit der Band und dem San Francisco Symphony Orchestra hatte «MTT», wie er in Amerika genannt wurde, einst ein Album aufgenommen.

Solche Projekte gehörten zu Thomas, der dem Orchester in San Francisco 25 Jahre treu geblieben war, genauso wie die Pflege des klassischen Repertoires: immer wieder Mahler, aber auch Tschaikowsky, Prokofjew und Strawinsky (die Russen lagen ihm, dem Spross einer russisch-jüdischen Familie, immer am Herzen). Und natürlich die Musik der USA. Eine Lanze brach er für den genialen Sonderling Charles Ives, Aaron Copland war einer seiner Lieblingskomponisten. Er selbst, auch als Komponist tätig, führte die amerikanische Tradition fort, mit einer Musik, die keine Angst vor Verständlichkeit kennt und die mit feinen Farben und kraftvoller Rhythmik um die Aufmerksamkeit der Hörer wirbt.

Dirigent, Komponist, ...

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Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Magazin, Seite 85
von Clemens Haustein

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