Arbeit am Märchen
Engelbert Humperdinck, gewöhnlich auf vorweihnachtliche Aufführungen von «Hänsel und Gretel» reduziert, hatte ein enges, aber keineswegs einfaches Verhältnis zum Märchen. Das zeigt allein die Frage, welchem Genre sich seine entsprechenden Arbeiten zuordnen lassen.
So werden «Die sieben Geislein» in ihrer Besetzung für Kinderchor, Sopran- und Bass-Solo mit Klavierbegleitung als «Singspiel» bezeichnet (UA 1895), von «Hänsel und Gretel» gibt es Fassungen als Liederspiel, Singspiel und «Märchenoper» (UA 1893), die «Königskinder» wurden als «Melodram» 1897 uraufgeführt und «Dornröschen», ein «Märchen in einem Vorspiel und drei Akten», bewegt sich in einer Grauzone zwischen Melodram, Schauspielmusik und Oper.
«Dornröschen», erstmals vollständig 1902 in Frankfurt aufgeführt, bezieht sich auf die Grimm’sche Vorlage, die Nummer 50 der Kinder- und Hausmärchen (KHM). Abgesehen davon, dass Humperdinck lange mit dem Libretto haderte, finden sich in der Textvorlage Elisabeth Ebelings Motive aus anderen, zeitnah zuvor entstandenen «Dornröschen»-Opern von Ferdinand Langer und Andreas Weickmann. Von Letzterem hat sie etwa das Motiv der Irrfahrt des Retters übernommen (hier ausgeweitet auf Himmel und ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Medien/CDs, Seite 30
von Christoph Vratz
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Je länger diese Aufführung dauert, desto stärker keimt ein Verdacht: Womöglich hat man sich bei Wagners «Tristan und Isolde» schon an zu viel gewöhnt. An Dirigenten, die ihr Heil im effektvollen Ertrinken und Versinken suchen und darob ihren Job als strenger Steuermann vergessen. Auch an Orchester, die willig und billig alles mit Emotion fluten, wo doch minutiöse...
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