Apropos... Bloß keine Rituale

Wenn Okka von der Damerau die Bühne betritt, merkt man auf. Ihr warmer, substan­zreicher, technisch makellos geführter Mezzo gehört zum Besten, was das Ensemble der Bayerischen Staatsoper zu bieten hat. Hauptrollen stehen dort noch aus, doch die gebürtige Hamburgerin kann warten und weiß: Ihre Zeit wird kommen.

Opernwelt - Logo

Wie kommt man als Hörgeräte-Akustikerin auf die Opernbühne?
Das war eher ein Ausflug, den Beruf finde ich übrigens noch immer interessant. Die Leidenschaft für den Gesang hatte ich im Schulchor entdeckt und merkte schon da, dass mir beim Singen keine Probenzeit zu lang ist. Ich habe mich trotzdem für die Lehre entschieden, weil ich bei den Aufnahmeprüfungen für Gesang durchgerasselt war.



Auch weil es Irritationen oder Fehleinschätzungen wegen Ihrer vergleichsweise großen Stimme gab?

Das ist ja immer schwer einzuschätzen, gerade bei einer Stimme, die nicht in den nächsten fünf, sechs Jahren auf ihrem Höhepunkt sein wird. Letztlich schaffte ich die Prüfung mit Rollen wie Tschaikowskys Jeanne d’Arc oder Dalila von Saint-Saëns. Die haben gezeigt, dass da noch so etwas wie ein Nachbrenner kommen kann.

Wie schwer war das Warten für Sie?
Ich hatte Glück, dass ich von der Hochschule weg an die Staatsoper Hannover engagiert wurde. Suzuki, Maddalena, dritte Dame, das hilft einer Anfängerin sehr. Gleichzeitig war ich froh, dass ich nie überfordert wurde. Der Wechsel nach München bedeutete, dass man nicht gleich an größere Partien kommt, sondern in Sachen Qualität einen Schritt nach vorn tut. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Den Balsam nun versuch ich noch

Es gab eine Zeit, da schlug kein Star am Wagner-Himmel eine Gelegenheit zum Auftritt in Buenos Aires aus. Lotte Lehmann, Lauritz Melchior, Birgit Nilsson oder Wolfgang Windgassen – sie alle gastierten am Río de la Plata. Heute scheint das kaum mehr vorstellbar. Auch wenn sich das Teatro Colón inzwischen wie die Gralsgemeinschaft im «Parsifal» zu erneuern sucht –...

Mit dem Teufel ins All

Endlich wieder ein Skandal an der Pariser Oper! Es ist erfrischend. Gelacht wird in der Aufführung, gerufen und geheult, so laut, dass der sonst so gelassene Philippe Jordan den Zuschauerraum um Ruhe bitten muss, damit man wenigstens das (von Christophe Grindel betörend schön gespielte) Englischhornsolo hören kann. Seit den Gerard Mortier-Jahren haben wir eine...

Subtiler Horror

Als Joël Pommerat sein Theaterstück «Au monde» zum Opernlibretto umformte und dabei im Blick hatte, dass er selbst 2014 zum Regisseur der Uraufführung von Philippe Boesmans gleichnamigem Musiktheater an der Brüsseler Monnaie-Oper auserkoren war, bekannte er sich zum Unbestimmten seiner Erzählung: «Mit ‹Au monde› wollte ich Löcher und große Öffnungen schaffen.» Die...