Apokalypse geht immer

Aber nicht so, wie Krzysztof Warlikowski sie bei Ligetis «Grand Macabre» an der Bayerischen Staatsoper in München versteht – als Studie über Nihilismus

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Ein Triple infernale, zumindest für das Münchner Publikum: Krzysztof Pendereckis «Die Teufel von Loudun» bei den Opernfestspielen 2022, Bratt Deans «Hamlet» im vergangenen Jahr – und nun «Le Grand Macabre» von György Ligeti. Das ist schwer verdauliche Kost, die Intendant Serge Dorny da jeweils zum Auftakt des Festivals serviert(e). Zumal an einem Ort, wo der versammelten Gala-Gemeinde gern Verfettung durch Kulinarik droht.

Und hätte sich das Hickhack um seine Vertragsverlängerung noch länger hingezogen, bis nach dieser Premiere also – die Kritik an Dorny und an seinem Führungsstil inklusive Repertoire-Vorlieben wäre wohl noch mehr gewachsen.

Der kürzlich bis 2031 verlängerte Chef hat die Zeichen der Zeit anscheinend verstanden. Immer häufiger hält er seinen Kartenkunden Zuckerl hin, Hits des Repertoires, diese allerdings in avancierter Regiesprache. Die Umkrempelung vollzieht sich am Max-Joseph-Platz als abgebremste Evolution. Und so wie Prokofjews «Krieg und Frieden» kurz nach dem Angriff auf die Ukraine hier bestürzende Aktualität entfaltete, so passt nun auch Ligetis «Anti-Anti-Oper», wie ihr Schöpfer sie nannte: Apokalypse geht immer, erst recht im Sommer 2024.

Wobei Ligetis ...

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Opernwelt August 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 7
von Markus Thiel

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