In der Echokammer des Seins

Pure Poesie: Andrè Schuen und Daniel Heide mit einer beispielhaften Aufnahme von Schuberts «Winterreise»

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Diese Tonart, das wissen wir nicht erst seit Puccinis Musikdramen, sondern bereits aus den Zeiten Johann Sebastian Bachs, verheißt wenig Wohliges. H-moll, das klingt nach Abschied, nach Sorgenfurchen, nach Tod. Und wenn Franz Schubert das letzte Lied der «ersten Abteilung» seiner «Winterreise» in diese Tonart kleidet, dann ahnt auch der Wanderer, dass sein Weg wohl kaum nach Arkadien führen wird. «Einsamkeit» ist nicht nur der Titel dieses Stücks, es ist auch der Zustand, in dem sich Schuberts Alter Ego befindet.

Und vernimmt man das staubtrockene Klaviervorspiel, dann sind auch letzte Zweifel ausgeräumt: Jene leeren Quinten, die als Achtel im Bass vor sich hin tropfen, sind die Vorboten des Leiermanns.

Daniel Heide spielt sie, man kann es nicht anders sagen, erbarmungslos: ermüdet und ermattet, wie hohle Formeln, die mit Lebenslust zu füllen selbst einem Stimmzauberer vom Format Andrè Schuens nicht gelingen mag. Aber wie soll er das denn auch bewerkstelligen, wenn beständig eine «trübe Wolke» über dem Wanderer schwebt und er seine Straße dahinzieht «mit trägem Fuß […] einsam und ohne Gruß»? Nie zuvor war er so «elend», dieser arme Mann, und sein Leben derart ausweglos. Und so ...

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Opernwelt August 2024
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 28
von Jürgen Otten

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