Liebestriebe
Diese Oper, zentrale Premiere der diesjährigen Potsdamer Musikfestspiele, trägt einen höchst eigenwilligen Titel: «I portentosi effetti della Madre Natura», zu deutsch: «Die wundersamen Wirkungen von Mutter Natur». Was könnte damit gemeint sein? Auch wenn das Programmheft suggeriert, man könne darunter den Anbruch eines neuen Wissenschaftszeitalters verstehen oder jene politische Revolution, die Ende des 18. Jahrhunderts in der Luft liegt, so macht sich auf den Brettern des Schlosstheaters im Neuen Palais Sanssouci doch vor allem ein Effekt der Natur breit: der Liebestrieb.
Von dem wird Celidoro im Wortsinn übermannt. Sein Leben lang wurde der Arme gefangen gehalten, obwohl oder gerade weil er Sohn des Königs von Mallorca ist. Von Mallorca? Das hinterfragen wir jetzt mal nicht, bekanntlich war es im Barock und selbst noch bei Verdi durchaus üblich, Handlungen an weit entfernte, mysteriöse Orte zu verlegen, um der Zensur zu entgehen.
Das Libretto stammt von Carlo Goldoni, der für die Opera buffa eine ähnlich wichtige Rolle gespielt hat wie Metastasio für die Seria – die des unverzichtbaren Lieferanten von Textdichtungen. Vertont hat sie Giuseppe Scarlatti. Der Neapolitaner ...
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Opernwelt 8 2022
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Udo Badelt
Inzwischen kann man die «Turandot» ruhig die «Königin der Opern» nennen. Ein Wohlfühlevent, auf das sich alle einigen können; das Stück, mit dem man bei der Jugend am ehesten frische Begeisterung fürs Genre erzeugt, eine Art Lunapark, mit einer nie unterbrochenen Ohrwurmdichte, die es auch Anfängern ermöglicht, die wichtigsten Melodien und Motive der Partitur...
Nachtblauvioletter Stoff blitzt rechts in der Seitengasse, und bevor die Trägerin des dazugehörigen Kleides gänzlich auf der Bühne der Grieghalle erscheint, bricht frenetischer Jubel aus, der mehr ist als ein Willkommensgruß für Lise Davidsen (und Leif Ove Andsnes, ihren Partner am Klavier). Es ist eine Demonstration nationalen Stolzes, bevor ein Ton Musik...
Für gewöhnlich sitzt man im Theater auf seinem Platz und harrt der Dinge, die da kommen. Flanieren geht nur in der Pause. Dass es in Susanne Kennedys Version von Philip Glass’ Oper «Einstein on the Beach» am Theater Basel anders sein wird, erfährt man schon beim Einführungsvortrag: «Das ist ein Abend, den man sich selbst baut», heißt es da. Ein Fall von immersivem...
