Liebestriebe
Diese Oper, zentrale Premiere der diesjährigen Potsdamer Musikfestspiele, trägt einen höchst eigenwilligen Titel: «I portentosi effetti della Madre Natura», zu deutsch: «Die wundersamen Wirkungen von Mutter Natur». Was könnte damit gemeint sein? Auch wenn das Programmheft suggeriert, man könne darunter den Anbruch eines neuen Wissenschaftszeitalters verstehen oder jene politische Revolution, die Ende des 18. Jahrhunderts in der Luft liegt, so macht sich auf den Brettern des Schlosstheaters im Neuen Palais Sanssouci doch vor allem ein Effekt der Natur breit: der Liebestrieb.
Von dem wird Celidoro im Wortsinn übermannt. Sein Leben lang wurde der Arme gefangen gehalten, obwohl oder gerade weil er Sohn des Königs von Mallorca ist. Von Mallorca? Das hinterfragen wir jetzt mal nicht, bekanntlich war es im Barock und selbst noch bei Verdi durchaus üblich, Handlungen an weit entfernte, mysteriöse Orte zu verlegen, um der Zensur zu entgehen.
Das Libretto stammt von Carlo Goldoni, der für die Opera buffa eine ähnlich wichtige Rolle gespielt hat wie Metastasio für die Seria – die des unverzichtbaren Lieferanten von Textdichtungen. Vertont hat sie Giuseppe Scarlatti. Der Neapolitaner ...
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Opernwelt 8 2022
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Udo Badelt
Es war Sommer in Bayreuth, es war heiß, und man wusste: Die sechsstündige «Götterdämmerung» würde wohl doch eher eine Menschendämmerung sein, oder besser: eine Menschenkörpererwei- chung durch fortwährende Schweißausbrüche. Inhaberinnen und Inhaber eines gut funktionierenden Deos mochten im Vorteil sein, ihre Ausdünstungen würden sich als weniger schlimm erweisen...
Der 1894 in Prag geborene Erwin Schulhoff machte zunächst als Pianist auf sich aufmerksam. Antonín Dvořák höchstselbst legte dem gerade einmal Siebenjährigen einen guten Klavierlehrer ans Herz. Mit zehn Jahren ging es für Schulhoff ans Prager Konservatorium. Bald folgten Kompositionsstunden bei niemand Geringerem als Orgel-und-Partitur-Komplexist Max Reger. Der...
Des Straussen Richards Oscar-Wilde-Vertonung
Schrieb Erstgenannter kurz nach Fin de Siècle.
Sie spielt in dem Herodes seiner Wohnung,
Zur Bibelzeit, mit manchem Sex-Geschmäckle.
Herodes Tochter will kein Finger-Food!
Nein, nein, sie will den Typen aus dem Keller.
Doch der will nicht – sie krächzt vor Wut, will Blut.
Sie brüllt und sagt: «Okay, bringt einen...
