An die Wand geklatscht

Mannheim | J. Ch. Bach: Temistocle

Opernwelt - Logo

Selten ist im Vorfeld einer Premiere so viel schiefgelaufen wie jetzt im Mannheimer Nationaltheater bei Johann Christian Bachs «Temistocle», einer Reformoper, die 1772 in Mannheim uraufgeführt und seither kaum mehr gespielt worden ist. Ursprünglich sollte sie szenisch von Achim Freyer betreut werden. Als dieser sich entschied, als «Ring»-Regisseur einzuspringen, übergab man an Günter Krämer, der sich beim Mannheimer Mozartsommer mit «Lucio Silla» und «La clemenza di Tito» schon zweimal als Seria-Spezialist ausgewiesen hatte.

Doch Krämer zerstritt sich bei Probenbeginn mit der Theaterleitung – und stieg aus. Schließlich übernahm Joachim Schlömer den führerlosen Zug. Viel konnte er an der Fahrtrichtung wohl nicht mehr ändern: Fassung wie szenischer Grundentwurf standen bereits. Man hatte sich entschlossen, auf die Secco-Rezitative komplett zu verzichten, einen Teil der Nummern (darunter die ersten beiden Finali) gestrichen und den verbliebenen Rest neu gemischt – eine musikalisch bedenkliche Amputation, zu rechtfertigen nur durch eine szenische Vision, wie Freyer sie gewiss gehabt hätte. Davon kann hier aber keine Rede sein. Schlömer hat die traurigen Überreste des jetzt pausenlos in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Panorama, Seite 58
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Seid umschlungen, Millionen

Alte Dirigenten interessieren sich selten für die «Zauberflöte». Hans Knappertsbusch sprach es offen aus: Jedes Mal wenn er in Fahrt komme, müsse er wieder aufhören – wegen der endlosen Dialoge. So denken viele. Dann doch lieber den «Don Giovanni» mit seinem symphonischen Furor. Weil die «Zauberflöte» ein Singspiel ist, lässt sich bei ihr nur schwer herstellen, was...

Geliehene Kantilene

Der Polizeichef von Venedig singt mit hoher Sopranstimme. Vor TV-Kameras und Rundfunkmikros gibt er sich absolut sicher: Die Brandstifter werden gefasst. Seine Musik kommt uns irgendwie bekannt vor. Genauer: seine elegant durch Oktaven tänzelnde Melodie. Die Harmonien freilich reiben mehr im Ohr als gewohnt, und auch mit dem Rhythmus stimmt etwas nicht. In Ligetis...

Huldigungen an den Zeitgeist

Calixto Bieito hat wieder einmal zugelangt und in seiner Inszenierung von Jean-Philippe Rameaus ballet bouffon «Platée» die Hosen heruntergelassen. Bieito erzählt die Geschichte der hässlichen Sumpfnymphe Platée, die zum Spaß mit Jupiter verkuppelt und bei Rameau von einem Tenor dargestellt wird, als die Geschichte eines (von Thomas Walker glänzend gespielten,...