Am Schicksalsfaden
Wenn im Dessauer «Maskenball» zum Schlussapplaus der Sänger des Gustav vor den Vorhang tritt, erhebt sich ein Mann im Publikum, zückt eine Pistole, schießt. Der König bricht zum zweiten Mal zusammen. Mörder unter uns? Eher: ein Gag, der spätestens nach der Premiere durch die Kritiken bestens bekannt ist und nur wenige überraschen dürfte. Regisseur Roland Schwab macht aus dem gesamten «Maskenball» einen Maskenball – nicht erst im dritten Akt. Vor der Ouvertüre treten die Sängerinnen und Sänger auf die leere Bühne, ziehen aus der Hand Oscars ihre Figuren-Karten.
Wer wird heute wen spielen? Gelächter, Ermunterung der Mitspieler, denn wieder einmal schnappt sich die einzige Frau aus der Runde, die Amelia-Karte, was für ein Glück …
Diesen Einstieg muss man Roland Schwab nicht abkaufen. Das schmälert aber keineswegs die szenische Dichte, für die der Regisseur und sein Bühnenbildner Hartmut Schörghofer auf der Dessauer Riesenbühne mit wenigen prägnanten Zeichen sorgen. Clou ist ein großer, geneigter Spiegel, der den Blick freigibt auf bewaffnete Verräter im Untergrund, auf Leichen am Galgenberg, auf rote Teufelsfiguren, die Ulrika heraufbeschwört. Aus toten Winkeln werden «Todeswinkel»: ...
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