Tradition und Revolution
Liebermann: Sie greifen die Opernhäuser an und meinen die Autoren. Die Tatsache, daß die Komponisten Ihrer Ansicht nach keine Werke geschrieben haben, die die Musik weiterbringen oder bedeutungsvoll sind, heißt doch nicht, daß deswegen die Opernhäuser in die Luft gesprengt werden müßten. Die Komponisten sollten dann eher dran glauben; denn die Opernhäuser können ja nur spielen, was produziert wird. Sie können nichts dafür, wenn das, was geschrieben wird, von Ihrem Standpunkt aus, wie Sie sich im «Spiegel»-Interview ja so anschaulich ausgedrückt haben, Scheiße ist.
Das ist aber nicht unser Problem. Unser Problem ist, soweit wir verantwortlich handeln, allen die Chance zu geben, sich auszuprobieren, sich zu kontrollieren, eigene Werke realisiert zu sehen. Wenn wir uns aber in die Luft sprengen lassen, dann haben wir auch die Chance vergeben, daß eines Tages der neue «Wozzeck» geschrieben wird, von dem Sie sprechen.
Boulez: Ich glaube also, Sie verwechseln das Produktionsproblem, das ein rein finanzielles und eines der Aufführung ist, mit dem der Komposition. Man muß sich darüber im klaren sein, daß das zwei verschiedene Dinge sind. Die Opernwelt ist vielleicht mit der Ballettwelt die ...
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Opernwelt Jahrbuch 2010
Rubrik: 50 Jahre «Opernwelt», Seite 106
von Pierre Boulez, Rolf Liebermann
Christoph!!
«Kein Bock auf Himmel! Ich will noch hierbleiben»,
hast du immer und immer wieder beschwörend gerufen.
Und du hast Recht behalten.
Du bleibst hier!
Auch wenn du einen gemeinen, ungleichen Kampf, der nicht zu gewinnen ist,
jetzt verloren hast.
Du bleibst hier.
Obwohl, wenn man sich ansieht, was die da oben mit ihrer Vorsehung treiben,
haben die dich...
Utopie Nummer 1: Ich träume von einer Zukunft, in der das System internationaler Koproduktionen, dieser ganze internationale Opern-Supermarkt zusammenbricht. Dann werden wir uns daran erinnern, was wirklich wichtig ist: statt Allgemeingültigem etwas ganz Spezielles zu erschaffen, mit speziell ausgewählten Künstlern an einem speziell ausgewählten Ort für ein ganz...
Wenn man als Operndirektor eine junge Sängerin, die im internationalen Geschäft noch keinen Namen hat, mit der Titelpartie in Puccinis «Madama Butterfly» betraut und davon überzeugt ist, dass sie diese Partie nicht nur am Premierenabend, sondern im Laufe der Saison zwanzigmal singen und spielen kann, wird einem von verschiedener Seite viel Mut zum Risiko...
