Alles halb so wild
Liebe, so befand Stendhal, beginne mit Verwunderung. Welche der vier antiken Grundarten dieser schönsten aller Lebensformen der französische Romancier und Essayist damit im Sinn hatte – ob Philia oder Agape, Storge oder Eros –, das präzisierte er nicht; wir dürfen allerdings davon ausgehen, dass er platonisches und erotisches Ideal in eins setzte, darin Mozart durchaus seelenverwandt, dessen Liebesdiskurs in seinen sieben großen Musiktheaterwerken von «Idomeneo« bis zu «La clemenza di Tito» sämtliche Sphären aufsucht, sie zum Teil genialisch verknüpft.
Erkennbar auf den Gott der sinnlichen Liebe fokussiert sind die drei Da Ponte-Opern.
Dramaturgisch am kniffligsten ist die «Così». Wie soll man beglaubigen, was kaum glaubhaft erscheint? Wieso spielen die beiden Ferrareser Schönheiten das Wahlverwandtschaften-Spiel mit? Was bewegt sie zum goetheanisch gefügten chemischen Experiment? Und: Warum, um Himmels Willen, erkennen sie die Herren nicht? Oder tun sie nur so, als ob, frei nach dem Motto «Tutto nel mondo è burla»? In seiner ersten Arbeit für die Oper umschifft der dänische Schauspielregisseur Jonas Corell Petersen das Problem so raffiniert wie leichtfertig: Er ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Jürgen Otten
Frau du Randt, gibt es überhaupt noch etwas, das Sie noch nicht gesungen haben?
Aber natürlich habe ich noch Wünsche! Die Marschallin zum Beispiel. Überhaupt würde ich gern mehr Strauss singen. Ich kann schon Dramatischeres riskieren, dann aber eben mit den Möglichkeiten meiner Stimme. Ich will sie nicht zu irgendetwas treiben oder jemanden nachahmen.
Wobei es...
Wie wahr und wie prophetisch, was Shakespeare seinen Macbeth sagen lässt: «Life is a tale, told by an idiot, full of sound and fury, signifying nothing.» Als hätte er den amerikanischen Wahlkampf 2016 vorweggenommen. Oder den Mann mit dem Fliegenbärtchen in den 1930er-Jahren. Oder viele andere populistische Heißluftballone, denen die Knetmasse Volk nachlief...
Mit einer neuen Produktion im Market Theatre von Johannesburg hat die Kompanie Umculo – der Name stammt aus der Sprache der Xhosa und lässt sich bezeichnenderweise sowohl mit «Musik» als auch mit «Versöhnung» übersetzen – aufregendes Terrain für die Oper in Südafrika betreten. In dem Pasticcio «Lamento» werden Madrigale, Arien und Szenen von Claudio Monteverdi...
