Eines nur will ich noch... ; Foto: Matthias Baus
Alles von vorn
Der Anfang ist das Ende. Oder auch umgekehrt. «The End» steht auf dem weinroten Vorhangsamt des Karlsruher Bühnenbildners Rainer Sellmaier. Davor, auf Regiestühlen, fläzen sich drei auffallend männlich wirkende Frauen im legeren Schlabberlook. Sie stellen die abgeschlafften Regisseure der ersten drei «Ring»-Abende dar – und die Nornen, die zu Beginn der «Götterdämmerung» über Vergangenheit und Zukunft des Wagner-Personals brüten. Und hier außerdem noch zwei Drittel des Rheintöchtertrios markieren.
Die Geschichte doch zum Besseren zu wenden – das freilich gelingt auch ihnen nicht.
Etwas von Brechts Methode ist schon dabei – vollends, wenn Norn Nummer eins als Brünnhildes Lieblingsschwester Waltraute (Katharine Tier, ein großer Auftritt) zurechtgekämmt und -gestutzt wird. Schließlich: Was Tobias Kratzer, der Vierte im Regiebund des Badischen Staatstheaters, am Ende des ersten Akts anstellt, sah und hörte man so wohl noch nie. Da braucht es eigentlich nur Siegfried, der mit abgedunkeltem Tenor in Gestalt Gunthers erscheint und Brünnhilde überwältigt. Kratzer lässt beide weiter agieren: ein tolerabler Eingriff ins Werk.
Was sich in Sellmaiers weißen und am Gibichungenhof ...
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Opernwelt Dezember 2017
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Heinz W. Koch
Musikwissenschaftler und andere Puristen dürften nach Betablockern verlangen, den geneigten Abonnenten freut’s. «Les Troyens» auf dreieinhalb Stunden inklusive Pause heruntergekürzt, das ist nicht so arg wie bei Philipp Stölzls «Rienzi»-Quickie in Berlin, aber ein im Doppelsinn einschneidender Fall in Sachen Grand Opéra. Nicht nur, dass am Staatstheater Nürnberg...
Bevor Wagner in Wahnfried einziehen und das Festspielhaus in Dienst nehmen konnte – er arbeitete damals an der Instrumentation der «Götterdämmerung» –, hatte er mit vielfältigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Sie hallen in den (mindestens) 321 Briefen nach, die der Komponist 1873 schrieb. Mit dem 25. der auf 35 Bände angelegten Ausgabe sämtlicher Briefe Wagners...
Nicht-Berliner sind immer noch verblüfft, wenn sie von der Neuköllner Oper hören. Dieser Problembezirk soll eine Oper haben? Er hat, und das schon seit 40 Jahren. Komponist Winfried Radeke hat sie in den experimentierfreudigen 1970er-Jahren als mobilen Kammerchor gegründet; 1988 bot Berlins Senat der Truppe den Ballsaal eines früheren Gesellschaftshauses hoch über...
