Alles oder nichts
Wie fang’ ich nach der Regel an?» – so wohl mochte sich Fulvio Adamo Macciardi mit den Worten des Walther von Stolzing gefragt haben, als er seine erste Spielzeit als Intendant des Teatro di San Carlo plante. Schließlich war der Berufung des Kulturmanagers an das Traditionshaus in Neapel eine auch für italienische Verhältnisse ungewöhnlich chaotische Politposse vorausgegangen.
Sein Vorgänger Stéphane Lissner wurde als Folge eines durch die Administration von Giorgia Meloni eilig erlassenen Dekrets vor Ende seiner Amtszeit aus der Verantwortung gedrängt: Die neue Regelung setzt der Leitung öffentlicher Kulturinstitutionen mit Vollendung des 70. Lebensjahrs ein Ende. Carlo Fuortes, der Regierung nicht mehr genehmer Chef des öffentlich-rechtlichen Rundfunks RAI, wurde auf den Posten weggelobt. Lissner klagte gegen seine Entlassung, bekam Recht und wurde wieder eingesetzt. Fuortes ging stattdessen an den Maggio Musicale in Florenz. Nach dem juristisch wasserdicht termingerechten Abschied Lissners konnte Macciardi im Dezember seine erste Serata inaugurale herausbringen – jene Eröffnungspremiere der Saison, die nur vom entsprechenden gesellschaftlichen Großereignis der Mailänder Scala in ...
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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Peter Krause
Immer fand ich den Namen falsch, den man uns gab: Emigranten. / Das heißt doch Auswanderer. / […] Wir flohen. / Vertriebene sind wir, Verbannte. (Bertolt Brecht)
Rund 400.000 der Anfang 1933 in Deutschland lebenden Juden waren deutsche Staatsbürger, dazu kamen etwa 120.000 meist polnischstämmige Einwohner mit längeren Aufenthaltstiteln. Nach der Machtübernahe der...
Monate, ja Wochen gab es, da hatte er fast täglich zu tun. Und dies immerhin in der Schwergewichtsklasse der beiden großen Richards. Geplante Engagements, Proben, dazwischen ein schnelles Einspringen: Es schien, dass Thomas Johannes Mayer dann erst richtig aufblühte. Einfach weil er es konnte. Weil er die großen Bariton-Partien mühelos abrufen konnte, und weil er...
Die Vorstellung ist wirklich zu schön, um wahr zu sein: «Mann und Weib und Weib und Mann / reichen an die Gottheit an.» Schon in der Bibel, wo der Herr im Himmel bekanntermaßen eine führende Rolle spielte, taten sich viele Jahrhunderte zuvor erhebliche Zweifel an Schikaneders anachronistischem Liebeskonzept auf; bei Matthäus 5, 28 finden wir sowohl den konkreten...
