Alles Narren
Das 12. Opernfestival Gut Immling stand unter dem Motto «Belcantozauber» – und fand in neuem, leuchtend blauem Gewand statt: Mit Sponsorengeldern wurden Wände und Dach der Theaterscheune isoliert und gestrichen. So ist der Raum zu jeder Jahreszeit wohltemperiert, bei Regen prasselt es weniger laut als bisher. «Nun kann man auch Pianissimo spielen», schwärmt Cornelia von Kerssenbrock, die musikalische Leiterin des Festivals.
Als privat finanziertes Unternehmen mit einem Budget von 1,6 Millionen Euro muss sich Gut Immling nach den Hits des Kanons richten.
Stets eine sichere Wahl, um die rund 16 000 Zuschauer pro Jahr auf den Bauernhof zu locken, ist Verdi. Diesmal standen gleich zwei seiner Opern auf dem Programm.
Den Auftakt machte «Nabucco». Nicola Panzer unterstrich in ihrer enttäuschend konventionell wirkenden Inszenierung mit Farben und Symbolen den Konflikt zwischen zwei Gesellschafts- und Religionssystemen. Ihre an sich lobenswerte Entscheidung, den riesigen Chor viel zu bewegen, führte leider zu schleppenden Auf- und Abgängen. Anton Keremidtchiev in der Titelpartie kompensierte sein eindimensionales Spiel mit strahlender, elegant geführter Stimme. Den größten Applaus des Abends ...
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Die alte dramaturgische Devise vom «Theater auf dem Theater» liegt bei der Oper «Ariadne auf Naxos» so nahe, dass man sie als ausgeleiert abbuchen könnte. Sie ist aber gerade dieser Oper fest eingeschrieben, und so erlebt der Besucher von Robert Carsens Neuinszenierung bei den Münchner Opernfestspielen das doppelte Theater schon vor Beginn der Aufführung im...
Die Bilanz, die der französische Musikwissenschaftler Benoit Dratwicki im Booklet von Hervé Niquets Einspielung der «Proserpine» zieht, ist ernüchternd. Trotz der Begeisterung, die William Christies Produktion des «Atys» 1987 ausgelöst habe, hätten die Opern Jean-Baptiste Lullys bislang noch immer nicht zu breiterer Anerkennung gefunden. Immer noch würden einige...
Ist’s ein Engel? Glaubt man Wolfram, der das Wort späterhin im «Tannhäuser» benutzt, um seinen abtrünnigen Sangesbruder Heinrich zu retten, müsste man es annehmen. Doch ein Engel würde wohl kaum die «allmächtige Jungfrau» bemühen, um seine zerrüttete Seele in die nötige Balance zu bringen. Und eben dies tut Elisabeth, kaum ist der Chor der Pilger vorübergezogen, in...
