Alles Leid der Welt
Ein Raunen geht durchs Publikum, als sich der Vorhang hebt. In historischen Gewändern aus guter alter Zarenzeit stehen da Mütterchen und Väterchen, Reiche und Arme, ein Mädchen mit rotem Kopftuch; Angst und Schrecken sind ihnen ins Gesicht geschrieben. Dahinter in strahlendem Licht die riesige Replik eines Ölgemäldes von Wassili Surikow: der Rote Platz im Augenblick vor der Massenhinrichtung der Moskauer Strelizen-Armee auf Befehl Zar Peters des Großen.
Ausstattungstheater vom Feinsten also? Wenn da nicht rechts und links des Bildes die nüchtern-weißen Wände wären.
Noch bevor die ersten Soldaten zu singen beginnen, streifen die Sänger ihre historischen Kostüme ab und zeigen sich als Menschen von heute, in Jeans, Büroanzügen und Kostümchen; nur ein Holzkarren und ein totes Pferd bleiben zurück. Da hat sich Johannes Leiackers atemraubende Bühne längst ins Bildgedächtnis eingegraben: Von nun an ahnt man die Vergangenheit auch ohne entsprechende Ausstattung.
Zumal das Nederlands Philharmonisch Orkest unter Ingo Metzmacher einen historischen Klangraum assoziiert, einen, in dem der Sonnenaufgang noch als wundersame Verwandlung erzählt werden konnte. Fast impressionistisch leuchtet ...
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Opernwelt April 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Christoph Schmitz
ARD-ALPHA
3.4. – 20.15 Uhr
Fritz Wunderlich – Leben und Legende.
Dokumentation von Thomas Voigt, Barbara und Wolfgang Wunderlich.
10./17./24.4. – 11.00 Uhr
Meisterklasse.
Ein Jahr mit den Opernprofis von morgen. Dokumentation von Olivia Hagemann über Kent Naganos Meisterklasse an der Bayerischen Staatsoper in München.
arte
1.4. – 5.25 Uhr
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Fü...
Beeindruckend, wie sich das stilistische Bewusstsein für Mozarts Jugendopern entwickelt hat: Noch vor dreißig Jahren musste man sich mit den lauwarmen Aufnahmen Leopold Hagers begnügen, heutzutage wird das Gros der Interpreten den Werken zwischen Spätbarock und Frühklassik gerecht – unbestritten ein Verdienst der historischen Aufführungspraxis. Nicht von ungefähr...
Carl Maria von Webers «Freischütz» entstand kurz nach dem Sieg über Napoleons Truppen, die Handlung spielt in der Zeit nach dem 30-jährigen Krieg. Eine deutsche Nachkriegsoper also – ein Umstand, der heutzutage mitunter zu maßlosen Interpretationen führt. Der sex- und bluttriefende Bühnenexzess des Schauspielregisseurs Kay Voges in Hannover war nur das eine Extrem,...
