Wahlverwandt
Seine genial simplen Klavierstücke, zumal die «Gymnopédies» und «Gnossiennes», kennt alle Welt. Unzählige Aufnahmen dokumentieren die zeitlose Popularität dieser aus der Zeit gefallenen Fingerübungen. Weniger ist mehr und langsam schöner als schnell, hatte Erik Satie da, noch vor der Wende zum 20. Jahrhundert, mit jeder Note gesagt. Der donnernd-virtuosen Tastenzauberei, die damals aus den Pariser Salons und Konzertsälen drang, mit koketter Dilettantenattitüde eine Nase gedreht.
Trotz aller Hoffnung auf Anerkennung durch den bürgerlichen Musikbetrieb – seine Welt war eher die des Cabarets und der Cafés. Erstaunlich, dass die in dieser Sphäre entstandenen Lieder bis heute ausgeblendet blieben.
Dabei steckt in den leisen Miniaturen ein ironischer Esprit, der sich auch mehr als ein Jahrhundert nach den Pariser (Alltags-)Geschichten, auf die sie anspielen, noch vermittelt. Mit dem Bariton Holger Falk und dem komponierenden Pianisten Steffen Schleiermacher haben sich nun zwei Künstler sämtlicher Mélodies und Chansons angenommen, die deren köstlichen Witz in allen Facetten ausspinnen, jede der 41 Nummern in eine charmante, luftige Kostbarkeit verwandeln. Eine tour sentimentale zwischen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Albrecht Thiemann
Neben Frida Leider und Kirsten Flagstad gab es vor achtzig Jahren noch eine weitere bemerkenswerte Interpretin der Isolde: Germaine Lubin (1890-1979). Die Pariserin muss auf der Bühne eine fesselnde Erscheinung gewesen sein, und die wenigen Aufnahmen, die das Label Marston jetzt zu einem Porträt zusammengestellt hat, lassen phänomenale vokale Fähigkeiten ahnen.
Lub...
Zangezi» ist so etwas wie das Opus summum des russischen Futuristen Velimir Chlebnikov (1885-1922). Ein als Drama konzipierter, im Grunde aber epischer Text, in dem er die fundamentalen Themen seines Schreibens zur Synthese zu führen sucht: Der Prophet «Zangezi» ist ein Alter Ego des Autors, die ihm in den Mund gelegten Spekulationen – etwa über die nach...
Vom Überdruss singt Emilia Marty alias Elina Makropulos im letzten Akt. Das Leben lässt sie kalt, alle Höhen, alle Tiefen hat sie schon erlebt, alles schon gesehen. Das Gerangel um das Prus-Erbe? Nichts Neues, der Konflikt schwelt seit Generationen. Deshalb ist das Zimmer auf der Bühne der Deutschen Oper Berlin auch zweigeteilt: Die eine Seite weist ins 20., die...
