Triumph im Rollstuhl
Schottisches Hochland auf der Leinwand – gemalt, bühnenfüllend. Von der Seite nähern sich drei schwarze Gestalten mit leichenblassen Masken: die Hexen. Ihre langen, knöchernen Finger deuten nach vorne, in die Zukunft. Paukengrollen. Die Gestalten verschwinden. Sie werden wiederkommen – und das Unheil mit ihnen.
Schon im ersten Bild von Donizettis «Lucia di Lammermoor» an der Oper Leipzig lässt Regisseurin Katharina Thalbach keinen Zweifel: Das Schicksal hat (sich) bereits entschieden. Von Beginn an gruselt es im schottischen Hochland.
Der Blutmond scheint, Nebelschwaden wabern, Kerzen brennen. Das alles ist durchaus konservativ, bisweilen kitschig. Funktional das Bühnenbild (Momme Röhrbein): eine Holzwand in voller Breite, darauf eine Balustrade, die wahlweise etwa als Ballsaal oder Turmzimmer fungiert; in der Mitte der Wand eine weitere verschiebbare Bühne, auf der mal die Quelle im Wald, mal ein Kamin oder ein Verhandlungstisch zu sehen sind.
Und Lucia? Sie sitzt im Rollstuhl. Es hätte ein Regiekonzept sein können. Lucia, die Frau, die gefangen ist durch äußere Zwänge. Die nicht den Mann heiraten darf, den sie liebt, Edgardo, sondern jenen anderen heiraten muss, ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Nora Sophie Kienast
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