Der Berg singt
Wenn man am Fuß der Eiger-Nordwand in den Berner Alpen steht, fragt man sich, wie jemand auf die Idee kommen kann, da hinaufzuklettern. 1.800 Meter senkrechter Fels. Und Eis. Weshalb man überhaupt klettert, erklärt Eduard Rainer im Stück. Es gehe darum, die Schwerkraft zu besiegen, zu schweben, den Boden zu verlassen, kein Mensch mehr zu sein. «Der Mensch ist Dreck, und der Boden im Tal ist getränkt mit Blut.» So gesehen hat die Kletterei genug Pathos, um als Opernstoff zu taugen.
Wie das dann klappen kann, zeigt das Theater Orchester Biel Solothurn mit der Uraufführung von «Eiger», komponiert von Fabian Müller nach einem Text von Tim Krohn.
Die Nordwand hatte schon einige Opfer gefordert, 1936 versuchten abermals zwei konkurrierende Seilschaften, die sich auf dem Weg zusammentaten, die Erstbesteigung. Zwei aus Bayern, Toni Kurz und Andreas Hinterstoißer, zwei Österreicher, Mitglieder der SA, Eduard Rainer und Willy Angerer. Alle vier kamen bei dem Versuch um. Die Nordwand wurde zwei Jahre später bezwungen. «Eiger», die Oper, spielt praktisch nur in der Wand. Sie beginnt ziemlich voraussetzungslos im Fels und endet auch dort. In 80 Minuten erfährt man viel übers Klettern, über die ...
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Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Egbert Tholl
Seien wir ehrlich: Das Stück war uns unbekannt. Und auch sein Schöpfer, der portugiesische Barockmeister Francisco António de Almeida, 1702 geboren und vermutlich beim Erdbeben von Lissabon anno 1755 zu Tode gekommen, kaum vertraut. Aber was ist das für eine Musik! Göttlich ist sie, würde- und seelenvoll, erhaben – und von einer Schönheit, die überirdisch zu nennen...
Frau Dreisig, ich nehme unser Interview mit meinem Smartphone auf. Ist das in Ordnung für Sie?
Natürlich. Ich lege mein Handy bei den Proben immer in den Zuschauerraum.
Um dann mit dem Mitschnitt nachzuarbeiten?
Genau. Nach der Probe höre ich alles an. Und dann weiß ich genau, wo ich bei der Intonation aufpassen muss oder wo ich zu kräftig war.
Sie haben...
Als «duftiges Amalgam» der Bestandteile des Opéra-comique-Prinzips hat Ulrich Schreiber Jules Massenets Oper «Manon» einmal bezeichnet. Was darin mitschwingt: Da setzt sich auf einer szenisch-musikalischen Ebene etwas in einer Ästhetik der Flüchtigkeit, der Momentaufnahmen zusammen: Die Oper, so könnte man es interpretieren, wird zum Film.
Peter Carp muss das...
