Alles brennt
Wenn man den Zuschauerraum betritt, liegt die Bühne bereits offen da. Hinten, vor der Brandmauer, ist das Orchester platziert. Am rechten Bühnenrand vier Straßenlaternen, quer über den Raum leuchtende Hochspannungsdrähte. Links auf der Vorderbühne erhebt sich eine als Spielpodium benutzte Fußgängerüberführung. Der Orchestergraben ist mit schwarzen Müllsäcken vollgestopft. Einziges Requisit: ein fahrbarer Scheinwerfer, mit dem die Darsteller ihr eigenes Spiel ausleuchten.
Über dem Orchester schließlich lodert eine riesige Brandfackel – Zeichen, dass das Feuer, das Schreker in «Irrelohe» entfacht, eine Phantasmagorie ist, die sich primär im Klang der geradezu sinfonisch überströmenden Musik entlädt.
Thomas Dörflers szenische Installation entzieht dem Ganzen jede falsche Romantik und siedelt das selten, zuletzt 2010 in Bonn gespielte Stück an der Faltkante von Traum und Wahn an. Wie in seinen drei vorausgegangenen Erfolgsopern «Der ferne Klang» (1912), «Die Gezeichneten» (1918) und «Der Schatzgräber» (1920), die Schreker zu Beginn der Weimarer Republik zum meistgespielten Musikdramatiker nach Strauss machten, sind auch die fünf Protagonisten der 1924 uraufgeführten «Irrelohe» in einer ...
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Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Uwe Schweikert
«Parsifal» war Wagners letzte Karte – mit dem Weltüberwindungswerk vom «reinen Toren» wollte er eine Kunstreligion stiften. Thilo Reinhardt unterzog das pseudosakrale «Bühnenweihfestspiel» in seiner Wuppertaler Inszenierung einer radikalen Gegenlektüre. Mit seinem Bühnenbildner Harald Thor verlegte er Wagners «heiligen Bezirk» im ersten Akt in die Sporthalle eines...
Herr Brownlee, im vergangenen Jahr haben Sie sich in Seattle den Don Ottavio vorgenommen, gerade in der Münchner «Così fan tutte» den Ferrando – ein Rossini-Tenor auf dem Weg zu neuen Ufern?
Das kann man nicht ganz so sagen. Ich kehre zurück zu Mozart. Den Ferrando habe ich schon während meines Studiums gesungen. Okay, das ist 20 Jahre her ... Meine ersten beiden...
Täuscht es, oder hat Jules Massenet die Aktschlüsse seiner Werke tatsächlich zum Reinklatschen komponiert? In Paris funktioniert es. Die letzten Takte des «Cid» gehen bruchlos im Jubel eines kompositorisch zum Klatschen verleiteten Publikums auf. Man dürfte früher noch stärker derlei Ritualen gefolgt sein – als man sie noch gewohnt war. Der letzte «Cid», nachdem...
