Alles brennt
Wenn man den Zuschauerraum betritt, liegt die Bühne bereits offen da. Hinten, vor der Brandmauer, ist das Orchester platziert. Am rechten Bühnenrand vier Straßenlaternen, quer über den Raum leuchtende Hochspannungsdrähte. Links auf der Vorderbühne erhebt sich eine als Spielpodium benutzte Fußgängerüberführung. Der Orchestergraben ist mit schwarzen Müllsäcken vollgestopft. Einziges Requisit: ein fahrbarer Scheinwerfer, mit dem die Darsteller ihr eigenes Spiel ausleuchten.
Über dem Orchester schließlich lodert eine riesige Brandfackel – Zeichen, dass das Feuer, das Schreker in «Irrelohe» entfacht, eine Phantasmagorie ist, die sich primär im Klang der geradezu sinfonisch überströmenden Musik entlädt.
Thomas Dörflers szenische Installation entzieht dem Ganzen jede falsche Romantik und siedelt das selten, zuletzt 2010 in Bonn gespielte Stück an der Faltkante von Traum und Wahn an. Wie in seinen drei vorausgegangenen Erfolgsopern «Der ferne Klang» (1912), «Die Gezeichneten» (1918) und «Der Schatzgräber» (1920), die Schreker zu Beginn der Weimarer Republik zum meistgespielten Musikdramatiker nach Strauss machten, sind auch die fünf Protagonisten der 1924 uraufgeführten «Irrelohe» in einer ...
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Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Uwe Schweikert
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