Ägypten und Disneyland
Sie kam, sang und siegte. Was Marie-Nicole Lemieux in der neuen Einspielung des Giulio Cesare in Egitto aus der Titelfigur herausholt, ist schlichtweg atemberaubend. Mit unerschöpflicher Energie vollzieht sie Händels Gipfelsturm in Sachen Charakterisierungskunst nach, stellt dabei das reiche Farbspektrum ihres Contralto-Mezzo auf die Affektsituation der jeweiligen Arie ein. Und jeder Ton, jedes Wort ist mit Bedeutung aufgeladen.
Man höre etwa, wie sie die Arie «Empio, dirò, tu sei» in atemlose Wut, Abscheu, Entsetzen – und Mitgefühl für Pompeos Witwe Cornelia – packt, Koloraturen furios setzt, doch dabei stets auf Linie bleibt. Und man vergleiche dies etwa mit der süffig gesungenen Arie «Se in fiorito ameno prato», in der sie mit der Solovioline einen elegant-witzigen Dialog eingeht, wo Vokal- und Instrumentalstimme einander etwa bei den Worten «fa più grato» geschmeidig umschlingen. Zwei Beispiele, pars pro toto, für eine außerordentliche Interpretation.
Ihr ebenbürtig Karina Gauvin, frankokanadische Landsfrau der Lemieux und eine der besten Interpretinnen der Cleopatra in jüngerer Zeit. Sie charakterisiert die Verführerin mit süffigem, rundem Timbre, das sie sul fiato, auf dem ...
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Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 17
von Gerhard Persché
Weil er im März des Jahres 1881 starb, hat Modest Mussorgsky die Gelegenheit knapp verpasst, Augen- und Ohrenzeuge des umfassend überarbeiteten Simon Boccanegra zu werden, mit dem Verdi im selben Jahr an der Mailänder Scala Triumphe feierte. Bedenkt man den Einfluss, den schon La forza del destino auf russische Komponisten ausgeübt hatte, so ist es reizvoll,...
Weicher Streicherklang, ein Harfenarpeggio, dann hebt er zu singen an, der geistvolle Barde: «Blick’ ich umher in diesem edlen Kreise...» Dass Christian Gerhahers erste CD mit Opernarien ausgerechnet mit Wolframs Ansprache aus Wagners Tannhäuser beginnt, ist paradigmatisch. Liedhaft, über weite Strecken unbegleitet – was könnte die Qualitäten des Baritons besser...
Andernorts werden Theater geschlossen, Heidelberg eröffnet ein neues und besitzt mit dem großzügig sanierten Altbau aus dem 19. Jahrhundert sowie dem sachlich-kühlen Neubau mit 512 Sitzplätzen jetzt gleich zwei technisch hervorragend bestückte Räume, um die viele Kommunen die Universitätsstadt am Neckar beneiden werden. Besichtigt man das von den Darmstädter...
