Ägypten und Disneyland

Händels Giulio Cesare und Atalanta, Vivaldis früher Orlando furioso und ein Barock-Pasticcio an der Met

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Sie kam, sang und siegte. Was Marie-Nicole Lemieux in der neuen Einspielung des Giulio Cesare in Egitto aus der Titelfigur herausholt, ist schlichtweg atemberaubend. Mit unerschöpflicher Energie vollzieht sie Händels Gipfelsturm in Sachen Charakterisierungskunst nach, stellt dabei das reiche Farbspektrum ihres Contralto-Mezzo auf die Affektsituation der jeweiligen Arie ein. Und jeder Ton, jedes Wort ist mit Bedeutung aufgeladen.

Man höre etwa, wie sie die Arie «Empio, dirò, tu sei» in atemlose Wut, Abscheu, Entsetzen – und Mitgefühl für Pompeos Witwe Cornelia – packt, Koloraturen furios setzt, doch dabei stets auf Linie bleibt. Und man vergleiche dies etwa mit der süffig gesungenen Arie «Se in fiorito ameno prato», in der sie mit der Solovioline einen elegant-witzigen Dialog eingeht, wo Vokal- und Instrumentalstimme einander etwa bei den Worten «fa più grato» geschmeidig umschlingen. Zwei Beispiele, pars pro toto, für eine außerordentliche Interpretation.

Ihr ebenbürtig Karina Gauvin, frankokanadische Landsfrau der Lemieux und eine der besten Interpretinnen der Cleopatra in jüngerer Zeit. Sie charakterisiert die Verführerin mit süffigem, rundem Timbre, das sie sul fiato, auf dem ...

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Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 17
von Gerhard Persché

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