Schön schaurig
Es kommt einem alles so bekannt vor: Da ist der Verdammte, der vor Ablauf der Frist eine schreckliche Aufgabe erledigen muss; der Vater, der die Tochter verschachert; der Held, der mitansehen muss, wie seine Geliebte einem Unhold verfällt; die Ballade vom «bleichen Mann». Lauter Déjà-vus. Wagners Holländer lässt grüßen, auch Webers Freischütz. Dies aber ist Der Vampyr von Heinrich Marschner, uraufgeführt 1828 in Leipzig, ein Werk, das die Schauerromantik (das Libretto geht auf den Kreis um Lord Byron zurück) gekonnt in Klänge umsetzt.
Und obwohl Wagner später giftete, dies sei «gelehrt-impotent gemachte, deutsch versohlte und verlederte italienische Musik», hat er doch eine Menge daraus für seinen Holländer gelernt – und weiterentwickelt. Der Vampyr wird oft als missing link zwischen Weber und Wagner charakterisiert. Das wird dem Stück nicht ganz gerecht, das durchaus selbstständig als packendes Musiktheater funktioniert. Die Partitur peitscht die Handlung in langen Bögen voran, die Streichertremoli der Gruselszenen kontrastieren mit den lieblichen Bläsermelodien des Liebespaares und derben, ausgelassenen Volkstümlichkeiten, wie sie Wagner später der norwegischen Besatzung von ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Udo Badelt
Eine Woche vorher, und alles wäre buchstäblich ins Wasser gefallen. Da brachten Tageszeitungen sogar in Deutschland Fotos von jungen Menschen, die vor dem Campanile planschten: der Markusplatz, ein cooler Pool im November. Aqua alta, das Hochwasser hatte zugeschlagen in Venedig. Nicht ungewöhnlich eigentlich, aber doch eine schlechte Voraussetzung für Opernabende....
Auf ihrem neuem Arienalbum mit dem Allerweltstitel Romantique verbindet Elina Garanca einige Hauptstücke des französischen Mezzosopran-Repertoires wie Saint-Saëns’ Dalila-Arie «Mon cœur s’ouvre à ta voix» und Donizettis «Ô mon Fernand» aus La Favorite mit seltener zu hörenden Preziosen wie dem Schlussgesang der Sapho aus Gounods gleichnamiger Oper, der großen...
Weicher Streicherklang, ein Harfenarpeggio, dann hebt er zu singen an, der geistvolle Barde: «Blick’ ich umher in diesem edlen Kreise...» Dass Christian Gerhahers erste CD mit Opernarien ausgerechnet mit Wolframs Ansprache aus Wagners Tannhäuser beginnt, ist paradigmatisch. Liedhaft, über weite Strecken unbegleitet – was könnte die Qualitäten des Baritons besser...
