Absurder Aberwitz
«Der Türke in Italien» – der Titel führt ein wenig in die Irre. Denn die Fremdheit des Protagonisten ist reine Behauptung und findet nicht einmal musikalischen Niederschlag. Dieser Selim ist eigentlich ein unbeschriebenes Blatt: die ideale Projektionsfläche für Wünsche und Fantasien. Regisseur David Hermann zieht daraus einen naheliegenden und doch verblüffenden Schluss: Selim ist bei ihm der Held eines Bollywood-Melodrams: Er landet nicht mit einem Schiff, sondern er steigt aus einem Filmplakat – das plötzlich ebenso lebendig wird wie Graffiti an den Mauern.
Da ist zum Beispiel eine kurvenreiche Diva aufgesprayt, die plötzlich als Donna Fiorilla leibhaftig vor uns steht, da gibt es Comic-Geschöpfe, die in Bewegung geraten und als wildbewegter Zeichentrick die Kampf- und Rachefantasien der Figuren in effigie ausagieren – die Situationskomik der Aufführung verdankt sich nicht zuletzt Martin Eidenbergers Videos.
An der Nederlandse Opera in Amsterdam erzählt David Hermann die Geschichte um den attraktiven Fremden und die lebenshungrige Fiorilla, die um seinetwillen nicht nur ihren ältlichen Ehemann Geronio, sondern auch noch den Liebhaber Narciso abserviert, mit aller komödiantischen ...
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Opernwelt Juni 2012
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Ingo Dorfmüller
Das Buch ist ein Welterfolg. Gerade 31 Jahre alt, veröffentlichte die finnische Autorin Sofi Oksanen 2008 ihren Roman «Puhdistus», zu Deutsch «Fegefeuer». Mittlerweile ist er in 43 Sprachen übersetzt. In ihrem Heimatland hat er alle wichtigen Literaturpreise gewonnen, in den skandinavischen Ländern und Frankreich wurde er mehrfach ausgezeichnet, auch in Deutschland...
Wenn man von Chemnitz aus mit der Erzgebirgsbahn durch das märchenhaft-idyllische Zschopautal fährt und im bergig gelegenen Annaberg ankommt, glaubt man sich auf einer Zeitreise zu befinden. Hier oben gehen die Uhren anders als im «Tiefland», Hektik ist hier ein Fremdwort, Ort und Umgebung laden ein zur Beschaulichkeit. Das gilt auch für das Theater, das 1893...
Eigentlich sollte sie schon im Auto nach Mailand sitzen. Am Opernstudio der Scala warteten bereits die nächsten Schützlinge. Junge Sängerinnen und Sänger, die sich nach dem Studium und ersten Schritten in die Berufspraxis von ihr den letzten Schliff für die Karriere erhoffen. Aber auf einen Sprung schaut Mirella Freni dann doch noch in ihrer eigenen Gesangsakademie...
