Absurder Aberwitz

Amsterdam | Rossini: Il turco in Italia

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«Der Türke in Italien» – der Titel führt ein wenig in die Irre. Denn die Fremdheit des Protagonisten ist reine Behauptung und findet nicht einmal musikalischen Niederschlag. Dieser Selim ist eigentlich ein unbeschriebenes Blatt: die ideale Projektionsfläche für Wünsche und Fantasien. Regisseur David Hermann zieht daraus einen naheliegenden und doch verblüffenden Schluss: Selim ist bei ihm der Held eines Bollywood-Melodrams: Er landet nicht mit einem Schiff, sondern er steigt aus einem Filmplakat – das plötzlich ebenso lebendig wird wie Graffiti an den Mauern.

Da ist zum Beispiel eine kurvenreiche Diva aufgesprayt, die plötzlich als Donna Fiorilla leibhaftig vor uns steht, da gibt es Comic-Geschöpfe, die in Bewegung geraten und als wildbewegter Zeichentrick die Kampf- und Rachefantasien der Figuren in effigie ausagieren – die Situationskomik der Aufführung verdankt sich nicht zuletzt Martin Eidenbergers Videos.

An der Nederlandse Opera in Amsterdam erzählt David Hermann die Geschichte um den attraktiven Fremden und die lebenshungrige Fiorilla, die um seinetwillen nicht nur ihren ältlichen Ehemann Geronio, sondern auch noch den Liebhaber Narciso abserviert, mit aller komödiantischen ...

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Opernwelt Juni 2012
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Ingo Dorfmüller

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