Abschied, Entsagung, Tod
Dass Christian Gerhaher auf dem Cover seiner neuen CD «Nachtviolen» unten am rechten Rand erscheint, suchend, nachdenklich, scheu, als wolle er sagen, er sei eigentlich gar nicht da, könnte man ihm auch als Attitüde auslegen. Das aber wäre ein eklatantes Missverständnis. Denn die (kreativen) Skrupel des Baritons, der an sich längst ein Superstar der Musikszene ist, sind, wie man weiß, grundehrlich.
Deshalb scheint der Titel seines neuen Schubert-Albums auch so wunderbar passend: Nachtviolen (Hesperis) sind jene selbstlosen Blumen, Kräuter eigentlich, die sich – tagsüber unauffällig – erst abends dutftend entfalten.
Und wie diese vermeintlich unscheinbaren Gewächse verbindet auch Schuberts Lied, 1822 komponiert, vermeintliche Schlichtheit des Satzes mit magischer Klangpoesie. Gerhaher vermittelt die Melancholie dieses Lieds – die der Komponist dem Verfasser des Gedichts, seinem früheren Freund Johann Mayerhofer, quasi hinterhertrug – ohne Sentimentalität, ohne jede Vorzeige-pose, ohne den notorischen «pädagogischen Eros», sondern schlicht berührend im unmittelbaren Sinn des Wortes. Das Album wandelt ein wenig abseits des üblichen Schubert-Repertoires, bringt manch viel zu selten ...
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Opernwelt September/Oktober 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 40
von Gerhard Persché
Es bietet sich ja wirklich an. Mit großer Geste schwingt die Treppe den Berg hinauf, wie von Skylla und Charybdis flankiert, vom Dom links, von der Sankt Severi Kirche rechts. Man muss schon blind sein, um die Eignung dieses Ortes als Bühne nicht zu erkennen.
Schon wenige Jahre nach der Wende, 1994, hat das Theater Erfurt damit begonnen, hier im Sommer die...
Sein Name wird immer mit dem «Jahrhundert-Ring» von Patrice Chéreau und Pierre Boulez verbunden bleiben: Hier schwang er sich 1976 als Wotan und Wanderer zum führenden Heldenbariton seiner Generation auf, wobei seine schauspielerische Gestaltung des Göttervaters der vokalen ebenbürtig war. Ein Sänger, dem man auch in den oft als lang empfundenen Dialogen mit Fricka...
So gehört sich’s. Der Tenor unserer Tage singt nicht mehr aus Notenblättern oder Klavierauszügen, sondern er hat sie in seinem Tablet gespeichert. Er blättert nicht mehr, sondern er klickt. Er braucht sein Gepäck nicht unnötig zu belasten. Wenn er aufs Podium geht, liegt kein Papier auf seinem Notenpult, sondern ein kleiner, flacher Lesebildschirm. Michael Spyres,...
