Große Szene in Niederbayern
Auf den Trank wurde schon andernorts verzichtet. Tristan und Isolde, das ist ja längst Regie-Common-Sense, brauchen für den Rausch keine Droge. Hier drängt es sie nach vorn an die Rampe, während hinten vertikal rasende Projektionen freien Fall suggerieren. Viel mehr geht nicht in diesem Raum, in dem sich auch Dressuren und Clowns denken lassen und der in einer der schönsten Städte Bayerns an deren wohl unwirtlichstem Ort zu finden ist. Wie lange das Landestheater Niederbayern noch im Theaterzelt am Landshuter Messegelände spielen muss, weiß keiner.
Das alte Stadttheater an der Isar wird nicht enden wollend renoviert. Immerhin einen Vorteil hat das: Das Drei-Städte-Unternehmen, das noch Passau und Straubing mit Schauspiel, Ballett und Musiktheater versorgt, kann sich größer Dimensioniertes gönnen.
«Aus dieser Idee ist der ‹Tristan› geboren», sagt der bei Wagner Regie führende Intendant Stefan Tilch. Mitte Mai riskierte man zusätzlich Verdis «Aida», die in der Passauer Dreiländerhalle herauskam. Das dortige Fürstbischöfliche Opernhaus hat zwar die Sanierung nach einem Hochwasser hinter sich, auf die Zusatzkapazitäten für solche Elefantenstücke mochte Tilch aber nicht verzichten. ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Magazin, Seite 80
von Markus Thiel
Um 1910 begeisterten sich viele italienische Autoren fürs Dekadente. Der im Schatten D’Annunzios dichtende Sem Benelli machte mit dem 1909 uraufgeführten Stück «La cena delle beffe» Furore. Bühnenstars wie Edvige Reinach und Sarah Bernhardt fingen Feuer an dem grellen Versdrama über bestialischen Sozialdarwinismus: Im Florenz der Jahre um 1480 – eine Generation...
Die Vergangenheit schien lange Zeit rosig. Karl Goldmarks «Königin von Saba» aus dem «Carmen»-Jahr 1875 war viele Jahre ein großer Erfolg. Dann geriet sie in Vergessenheit, erst allmählich kehrt sie auf die Spielpläne zurück: 2002 in Mannheim, 2015 in Freiburg. Diese letzte Produktion (siehe OW 6/2015) liegt nun auf CD vor. Während man für die Aufführungen im...
Sein oder nicht sein? Das ist an GöteborgsOperan nicht die Frage. Stephen Langridge, seit zwei Jahren künstlerischer Kopf des Musiktheaters, lässt für die schwedische Erstaufführung von Ambroise Thomas’ «Hamlet» verschiedene Varianten des Endes spielen. Als Thomas seine Antwort auf Gounods «Roméo et Juliette» 1868 an der Pariser Opéra herausbrachte, ging der...
