Postmoderner Histoschinken

Verdi: Giovanna d’Arco Bonn / Opernhaus

Opernwelt - Logo

Der Wunsch, von den Visionen wie Zumutungen des Regietheaters endlich verschont zu werden, scheint groß zu sein. Anders lässt sich der rauschende Publikumserfolg der einfallslos-sterilen Inszenierung von Verdis früher Oper «Giovanna d’Arco» durch das Videoduo fettFilm in Bonn nicht erklären.

Momme Hinrichs und Torge Møller verorten die Geschichte der Jeanne d’Arc, wie Verdis Librettist Temistocle Solera sie sich aus Schillers romantischer Tragödie zusammengestoppelt hat, auf einer steil ansteigenden, von zwei monumentalen Portalen gerahmten Freitreppe und bespielen diese wuchtige Einheitsszenerie mit surrealen Videoanimationen – Bildern, die gefällig anzusehen sind, aber nirgendwo übers kitschig Dekorative (wie die für Giovanna aufblühenden Rosen) hinauszielen, gar Tiefenschichten der Handlung erschließen.

Aufs Regieführen haben die beiden bei ihrer ersten eigenen Operninszenierung gleich ganz verzichtet. Die Chormassen sind meist zu statischen Tableaus auf den Treppenstufen eingefroren, die Hauptfiguren mit Händeringen, Arme ausbreiten, Gestikulieren und Schulterklopfen aus dem abgestandensten Opernfundus unbeholfen sich selbst überlassen. Gewiss macht Verdis reichlich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2014
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Zwölf Gesänge über den Krieg

Draußen scheint der Kampf noch in vollem Gang. Eine Sirene ertönt. Es fallen Schüsse. Ein ewiger Aufschrei, unterbrochen allenfalls von den Marschtritten unzähliger Soldaten. Drinnen im Theater dagegen Totenstille. Erst nach und nach erheben die Gefallenen ihre Stimmen, wortlos weinend in der Finsternis, die sie umgibt. Sie steigen nicht aus den Gräbern, die nach...

Reizharmonie

Mit Holsts «Savitri» begann es, und Holst-Sinfonietta hieß fortan auch das Orchester. Waltons «Bär» folgte, Korngolds «Stumme Serenade», Brittens «Rape of Lucretia» und «Noye’s Fludde», aber immer auch Zeitgenössisches: Rihms «Jakob Lenz», Anno Schreiers «Kein Ort. Nirgends» oder Claude Viviers «Kopernikus». Eines springt allemal ins Auge: Was die Freiburger Young...

Glückwunsch

Andere an seiner Stelle trügen die Nase hoch. Hans-Peter Lehmann hat das nicht nötig, er ist bescheiden geblieben. Er war Assistent von Carl Ebert, Gustav Rudolf Sellner und Wieland Wagner, hat als blutjunger Regisseur in Berlin schon «Otello» mit Renata Tebaldi inszeniert. Die Arbeiten des Wagner-Enkels Wieland betreute er in Bayreuth von 1960 bis 1973. Mit Birgit...