Zwischen Tradition und Aufbruch
Die japanische Wirtschaft mag derzeit schwächeln, die japanische Gesellschaft sorgenvoll in die globalisierte Zukunft blicken, die japanische Politik den schmerzlichen Umbau des Sozialstaates betreiben – doch allen Krisensymptomen zum Trotz ist die Nachfrage nach teurer «klassischer» Musik aus Europa ungebrochen. Spielen auf Einladung privater Impresarii, sagen wir, die Berliner Philharmoniker, die Mailänder Scala oder die Wiener Staatsoper im Reich des Tenno, sind viele Japaner nach wie vor bereit, fast jeden Preis für eine Eintrittskarte zu zahlen.
Bis zu sechshundert Euro kostet etwa ein Abend in voller Wagner-Länge – und das, obgleich man Tristan, Sachs & Co. mangels schöner Opernbühnen in gesichtslosen Mehrzweckbauten bei der Arbeit zuschauen muss. Um die dreitausend operntaugliche Bespielstätten finden sich zwischen der Nordinsel Hokkaido und der Südinsel Kyushu, die Kino-Dichte liegt deutlich niedriger. Das Geschäft mit «authentischen» Ensembles aus Übersee brummt. So haben, ein paar Beziehungen und ein wenig Verhandlungsgeschick vorausgesetzt, selbst deutsche Regionalligisten wie die Brandenburger Symphoniker oder das Loh-Orchester Sondershausen noch immer die Chance, auf ...
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Musikalisch war die Saarbrücker «Elektra» ein Volltreffer. Ob angesichts drastischer Sparmaßnahmen dieser Standard auch in Zukunft zu halten sein wird, steht freilich in den Sternen. Zunächst legte aber der scheidende Generalmusikdirektor Leonid Grin eine überaus stimmige Einstudierung der komplexen Partitur vor, sorgte für gepflegtes Zusammenspiel,...
Niemand wird widersprechen: Der neue «Figaro» an Covent Garden sieht so gut aus, wie er klingt. Die Verwandlungen sind atemberaubend geschickt, das Dirigat ist elegant, die Besetzung gut. Jeder scheint zufrieden nach Hause zu gehen, oder? Nicht ganz. Denn es gibt ein Loch im Herzen dieses Abends, eine Kluft zwischen Ideen und psychologischem Verständnis. Szenischer...
Katharina die Große, die diese Buffa in Auftrag gegeben hatte, war entzückt davon und ließ sie sich immer wieder vorspielen. Von Petersburg aus, wo sie 1779 ihre Uraufführung erlebten, kamen die «Astrologi immaginari» durch halb Europa. Joseph II., auch er ein Bewunderer, brachte sie nach Wien, wo sie 1781 unter dem Titel «Die eingebildeten Philosophen»...
