Zwischen Tradition und Aufbruch
Die japanische Wirtschaft mag derzeit schwächeln, die japanische Gesellschaft sorgenvoll in die globalisierte Zukunft blicken, die japanische Politik den schmerzlichen Umbau des Sozialstaates betreiben – doch allen Krisensymptomen zum Trotz ist die Nachfrage nach teurer «klassischer» Musik aus Europa ungebrochen. Spielen auf Einladung privater Impresarii, sagen wir, die Berliner Philharmoniker, die Mailänder Scala oder die Wiener Staatsoper im Reich des Tenno, sind viele Japaner nach wie vor bereit, fast jeden Preis für eine Eintrittskarte zu zahlen.
Bis zu sechshundert Euro kostet etwa ein Abend in voller Wagner-Länge – und das, obgleich man Tristan, Sachs & Co. mangels schöner Opernbühnen in gesichtslosen Mehrzweckbauten bei der Arbeit zuschauen muss. Um die dreitausend operntaugliche Bespielstätten finden sich zwischen der Nordinsel Hokkaido und der Südinsel Kyushu, die Kino-Dichte liegt deutlich niedriger. Das Geschäft mit «authentischen» Ensembles aus Übersee brummt. So haben, ein paar Beziehungen und ein wenig Verhandlungsgeschick vorausgesetzt, selbst deutsche Regionalligisten wie die Brandenburger Symphoniker oder das Loh-Orchester Sondershausen noch immer die Chance, auf ...
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Herr Dresen, uns war bislang gar nicht bekannt, dass Sie sich für Oper interessieren...
Mir war das offen gestanden auch nicht bewusst. Bis eines Tages Michael Schindhelm, der Direktor des Theaters Basel, bei mir anrief und fragte, ob ich nicht Lust habe, mal eine Oper zu inszenieren. Das war vor sechs Jahren, er hatte meinen Film «Nachtgestalten» gesehen....
Noch vor vierzig Jahren hätte sich kein Opernfreund vorstellen können, dass eine Produktion von Lortzings «Undine» einmal unter die Rubrik «Ausgrabung» fallen würde. Aber inzwischen ist das einst so beliebte Werk derart gründlich von der Opernbühne verschwunden, dass man für das vergangene Jahrzehnt nicht einmal auf fünf Aufführungen an deutschen Theatern kommt....
Musikalisch war die Saarbrücker «Elektra» ein Volltreffer. Ob angesichts drastischer Sparmaßnahmen dieser Standard auch in Zukunft zu halten sein wird, steht freilich in den Sternen. Zunächst legte aber der scheidende Generalmusikdirektor Leonid Grin eine überaus stimmige Einstudierung der komplexen Partitur vor, sorgte für gepflegtes Zusammenspiel,...
