Zwischen Tradition und Aufbruch
Die japanische Wirtschaft mag derzeit schwächeln, die japanische Gesellschaft sorgenvoll in die globalisierte Zukunft blicken, die japanische Politik den schmerzlichen Umbau des Sozialstaates betreiben – doch allen Krisensymptomen zum Trotz ist die Nachfrage nach teurer «klassischer» Musik aus Europa ungebrochen. Spielen auf Einladung privater Impresarii, sagen wir, die Berliner Philharmoniker, die Mailänder Scala oder die Wiener Staatsoper im Reich des Tenno, sind viele Japaner nach wie vor bereit, fast jeden Preis für eine Eintrittskarte zu zahlen.
Bis zu sechshundert Euro kostet etwa ein Abend in voller Wagner-Länge – und das, obgleich man Tristan, Sachs & Co. mangels schöner Opernbühnen in gesichtslosen Mehrzweckbauten bei der Arbeit zuschauen muss. Um die dreitausend operntaugliche Bespielstätten finden sich zwischen der Nordinsel Hokkaido und der Südinsel Kyushu, die Kino-Dichte liegt deutlich niedriger. Das Geschäft mit «authentischen» Ensembles aus Übersee brummt. So haben, ein paar Beziehungen und ein wenig Verhandlungsgeschick vorausgesetzt, selbst deutsche Regionalligisten wie die Brandenburger Symphoniker oder das Loh-Orchester Sondershausen noch immer die Chance, auf ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der Terror-Chef rast: Die allzu schöne Überläuferin erwies sich als lauwarm. Nichts ist’s mit der Revolution, stattdessen spielen wieder mal die Gefühle verrückt. Da hilft nur die Hinrichtung. Liebe und Tod liegen nah beieinander, aber am Ende siegt nicht die Internationale, sondern – die Musik.
Natürlich siegt sie, denn Mozart hat sie geschrieben. Aus «Zaïde», dem...
Die von der Dienstleistungsgewerkschaft ve.rdi im Zuge der Auseinandersetzungen um die 40-Stunden-Woche und das 13. Monatsgehalt initiierten Streikmaßnahmen haben nicht nur öffentliche Versorgungsbetriebe wie Krankenhäuser oder die Müllabfuhr getroffen, sondern auch zahlreiche Theater. Von Hamburg bis Freiburg legten nach Angaben des Deutschen Bühnenvereins an...
Seit 1987 der Zuschauerraum des Jenaer Stadttheaters abgerissen wurde und sich die damaligen Kulturfunktionäre der trügerischen Hoffnung auf einen Theaterneubau hingaben, muss Jenas Publikum auf Musiktheater in der eigenen Stadt weitgehend verzichten. Bruno Scharnberg, seit 2003 Intendant der Jenaer Philharmonie, plante bereits im ersten Jahr seines Wirkens die...
