Oberflächenreize
Niemand wird widersprechen: Der neue «Figaro» an Covent Garden sieht so gut aus, wie er klingt. Die Verwandlungen sind atemberaubend geschickt, das Dirigat ist elegant, die Besetzung gut. Jeder scheint zufrieden nach Hause zu gehen, oder? Nicht ganz. Denn es gibt ein Loch im Herzen dieses Abends, eine Kluft zwischen Ideen und psychologischem Verständnis. Szenischer Oberflächen-Chic siegt über eine echte Interpretation. Wir bekommen keinerlei Hinweis darauf, weswegen etwa das Stück in seiner Zeit so brandstifterisch wirkte. Und was es uns heute noch zu sagen hat.
Man denkt zurück an David McVicars Inszenierung von Mozarts «Idomeneo» an der Scottish Opera, mit der er sich vor so manchen Jahren seinen Namen machte. Und man fragt sich, was mit seinem Einfallsreichtum, der ihn Mozart damals so frisch sehen ließ, passiert ist. Dabei ist sein handwerkliches Geschick zweifellos gereift. Mühelos füllt er Breite und Tiefe von Tanya McCallins «Ancien Régime»-Bühne mit Aktion, lässt die Komödie und ihre Charaktere sich gekonnt entwickeln. Es gibt einen Haufen von Statisten, alle sinnvoll ins Geschehen integriert – bereits zur Ouvertüre, als die Bediensteten das sichtlich heruntergekommene ...
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Dass Heinz Zednik, der Broucek der neuen Produktion von Janáceks Opernsatire an der Wiener Volksoper, als Kandidat im Nachfolgespiel um den vorzeitig aus dem Amte scheidenden Direktor Rudolf Berger kolportiert wurde (inzwischen hat er zu verstehen gegeben, dass er nicht mag), ist nicht ohne Pikanterie. Nicht Zedniks, sondern der von ihm verkörperten Figur wegen,...
Seit 1987 der Zuschauerraum des Jenaer Stadttheaters abgerissen wurde und sich die damaligen Kulturfunktionäre der trügerischen Hoffnung auf einen Theaterneubau hingaben, muss Jenas Publikum auf Musiktheater in der eigenen Stadt weitgehend verzichten. Bruno Scharnberg, seit 2003 Intendant der Jenaer Philharmonie, plante bereits im ersten Jahr seines Wirkens die...
Seit die Mezzosopranistin Cecilia Bartoli ihr binnen kurzem zum Bestseller avanciertes Vivaldi-Recital vorstellte, ist das Interesse an den musikdramatischen Werken des «roten Priesters» sprunghaft angestiegen. Und schon lange beschränkt sich die Wiederentdeckung Vivaldis als Opernkomponist nicht mehr auf die Veröffentlichung erlesener Arien-Paraden. Das...
