Bonjour, tristesse!
Etwas ist anders als sonst. Etwas, das sich mit Worten nur schwer beschreiben lässt, aber in vielen Momenten spürbar wird, mal in einem vertraulichen Gespräch, mal beim Gang in eines der Theater der Stadt, mal in dem Augenblick, wenn sich der Vorhang hebt. Und mal einfach so: Der Chef fehlt. Und damit Hirn, Herz und Seele des Festivals d’Aix-en-Provence. Pierre Audi, der Anfang Mai, er war gerade in Peking, völlig überraschend verstarb, und dem die 77.
Ausgabe dediziert ist, besaß jenes unvergleichliche Charisma, das vielen Intendanten an bundesdeutschen Opernhäusern fehlt, so sehr sie sich auch mühen. Ihm haftete die Aura des unantastbaren, zugleich berührten wie berührenden Künstlers an, jene selten anzutreffende Mischung aus Erhabenheit und Empathie, Intellekt und Neugier, Zugewandtheit und kosmopolitaner Coolness. Wichtiger aber noch: Der Weltbürger Audi setzte – erst in seinen 30 Amsterdamer Jahren und dann seit 2018 in der Provence – programmatische Zeichen. Immer wieder lockte er Künstlerinnen und Künstler nach Aix, die über eine besondere, eigenwillige Handschrift gebieten (was nicht bedeutete, dass solche Experimente ausnahmslos gut gingen, aber bekanntermaßen ist die ...
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Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Jürgen Otten
Er hatte etwas von einem Clown. Und wenn ihm dieser Eindruck nicht recht gewesen wäre, hätte er bestimmt etwas dagegen unternommen. Wie er in seinen späten Jahren auf die Bühne kam, ein fußballrundes Bäuchlein vor sich herschiebend, Schläppchen an den Füßen (in den Proben erschien er gern bar -füßig), ein satyrisches Lächeln im Gesicht: Das war durchaus als...
Now it’s Partytime»: Die Dame in der maßgeschneiderten, exklusiven, zitronengelben Robe lässt sich nichts anmerken an diesem Abend. Das ist Lilli Paasikivis Einstand, und den sollen ihr die schlechten Nachrichten, die sie erst wenige Wochen zuvor ereilt haben, nicht verderben. Und so hält die neue Intendantin der Bregenzer Festspiele auf Englisch eine souveräne...
In den Rang eines Sympathieträgers hat es der Dirigent Karl Böhm nie geschafft. Achtung, Interesse, Furcht: ja, Liebe: kaum. Böhm hat mit seiner Person viel dazu beigetragen, begonnen beim bereitwilligen Mitläufertum während der Nazi-Zeit (ein Wort des Bedauerns hat er dazu nie gefunden), bis hin zu seinem Ruf als Probenteufel. Kameramitschnitte von Proben Karl...
