Zwischen den Stühlen

Verena Stoiber schickt Tschaikowskys «Eugen Onegin» in Aachen auf eine etwas langatmige Erinnerungsreise

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Dass Pjotr Iljitsch Tschaikowsky schwul war, ist selbst im lebensbedrohlich homophoben Russland kein Geheimnis mehr, auch wenn diese Facette seines Lebens dort nicht nur von konservativen Kreisen lautstark angezweifelt wird. Im Krisenjahr 1877, als er bereits über seinem «Eugen Onegin» brütete, heiratete Tschaikowsky eine seiner Schülerinnen, um den gesellschaftlichen Schein eines heteronormativen Lebens wahren zu können. Der hielt nicht lange. Auf einen Selbstmordversuch folgte die Trennung, Antonina Iwanowna Miljukowa landete in der Nervenheilanstalt.

Dafür konnte Tschaikowsky wieder schreiben. «Eugen Onegin» formulierte, im Gegensatz zur Vorlage von Alexander Puschkin, weniger eine große Gesellschaftskritik; vielmehr war es ein Füllhorn privater Tragödien, die trotz ihrer Alltäglichkeit mehrere Leben ruinieren. Warum der mondäne, aber gelangweilte Titelheld seinen Freund, den Dichter Wladimir Lenski, in einem übereifrig anberaumten Duell erschießt, ist aus heutiger Sicht allerdings schwer nachzuvollziehen. Schuld sind die konservative Gesellschaft, ein erdrückender Ehrbegriff und die Praxis der Duelle – ein wildes Kapitel toxischer Männlichkeit. Schuld ist auch eine kleine ...

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Opernwelt April 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Anna Chernomordik

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