So war es und nicht anders

Cornelie Becker-Lamers untersucht aus streng feministischer Perspektive Handlung und Figurenrede in Schikaneders «Zauberflöte»

Opernwelt - Logo

Über die «Zauberflöte», möchte man meinen, ist (fast) alles gesagt. Dutzende Meter füllen die Regale öffentlicher wie privater Bibliotheken, und auch im spätmodernen Diskurs gab es in jüngerer Vergangenheit immer wieder Deutungsversuche, die Mozarts 1791 in die Musikwelt entsandtes Singspiel auf ein Libretto von Emanuel Schikaneder dem Geist der Zeit (und manchmal auch nur dem Zeitgeist) anzupassen versuchten.

Was es bislang nicht gab, war ein Libretto-Vergleich zwischen Schikaneders Original und jener Überarbeitung, die Christian August Vulpius wenige Jahre nach der Uraufführung in Wien für Weimar anfertigte, angeregt im Auftrag des Geheimrats Goethe. «Die Decke schwindet» ist der zunächst etwas rätselhafte Titel einer Studie, die Cornelie Becker-Lamers nun vorgelegt hat, mit dem Ziel «Handlung und Figurenrede» in den vorliegenden Fassungen miteinander zu vergleichen, wobei die Autorin keinen Hehl daraus macht, wem sie hier den Vorzug gibt – dem Original nämlich. Und Becker-Lamers greift gleich zu Beginn voll in die Klagesaiten, wenn sie von einer «Fehlinterpretation» seitens der Musikwissenschaft spricht und betont, dass sich seit Attila Csampais «hellsichtigem Essay» niemand ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2026
Rubrik: Medien, Seite 40
von Jan Verheyen

Weitere Beiträge
Die Krankheit Angst

Entspringt es mangelnder Spielplanabsprachen zwischen den Intendanzen oder einem tieferen gesellschaftlichen Anliegen, dass derzeit Francis Poulencs Tragödie «Dialogues des Carmélites» landauf, landab, zwischen Dresden, Karlsruhe, Nancy und demnächst in Stuttgart zu sehen ist? Wollen sich auch kleinere Opernhäuser mit dem Etikett «Erstaufführung» schmücken? Oder...

Stummfilm im Tondgewand

Exakt 200 Jahre nach seiner Londonder Uraufführung 1724 ging Händels «Tamerlano» erstmals wieder über die Bühne – in Karlsruhe. Nun, bei der Eröffnungsinszenierung der Händelfestspiele, gibt Kobie van Rensburg den Gesamtkunstwerker: Er hat Raum und Kostüme entworfen, er inszeniert, und er kreiert mit Hilfe von KI-Programmen diverse Bildebenen.

Die Illusionswelten...

Paradise Lost

Das Paradies? Nun ja, auf Erden wird man es vergebens suchen, dort, wo Lebewesen ihrer Identität häufig schon beraubt sind, noch bevor sie eine solche überhaupt entdecken und entwickeln können. Menschen wie Agnès, die im unschuldigen Alter von 14 Jahren von dem reichen «Protector» als Ehefrau vereinnahmt und in einen imaginären Glaskäfig gesteckt wurde, wo sie...