So war es und nicht anders
Über die «Zauberflöte», möchte man meinen, ist (fast) alles gesagt. Dutzende Meter füllen die Regale öffentlicher wie privater Bibliotheken, und auch im spätmodernen Diskurs gab es in jüngerer Vergangenheit immer wieder Deutungsversuche, die Mozarts 1791 in die Musikwelt entsandtes Singspiel auf ein Libretto von Emanuel Schikaneder dem Geist der Zeit (und manchmal auch nur dem Zeitgeist) anzupassen versuchten.
Was es bislang nicht gab, war ein Libretto-Vergleich zwischen Schikaneders Original und jener Überarbeitung, die Christian August Vulpius wenige Jahre nach der Uraufführung in Wien für Weimar anfertigte, angeregt im Auftrag des Geheimrats Goethe. «Die Decke schwindet» ist der zunächst etwas rätselhafte Titel einer Studie, die Cornelie Becker-Lamers nun vorgelegt hat, mit dem Ziel «Handlung und Figurenrede» in den vorliegenden Fassungen miteinander zu vergleichen, wobei die Autorin keinen Hehl daraus macht, wem sie hier den Vorzug gibt – dem Original nämlich. Und Becker-Lamers greift gleich zu Beginn voll in die Klagesaiten, wenn sie von einer «Fehlinterpretation» seitens der Musikwissenschaft spricht und betont, dass sich seit Attila Csampais «hellsichtigem Essay» niemand ...
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Opernwelt April 2026
Rubrik: Medien, Seite 40
von Jan Verheyen
Dieser «Wozzeck» ist ein Naturereignis – in doppeltem Sinne. Zum einen gilt das für die ganze Aufführung: Im Nu ist man gefangen in einer düsteren Phantasmagorie, einer dunklen Welt mystischen Leidens voll süßer Schmerzen und gruseliger Rätsel, in der Verschwisterung mittelalterlicher und neuzeitlicher, im wahrsten Sinne brand -aktueller Dystopien, die optisch an...
Entschlossen
Ein Tausendseitenroman auf der Theaterbühne? Für Ewelina Marciniak kein Problem. 2021 formte sie die «Jakobsbücher» ihrer Landsfrau Olga Tokarczuk zu einem spannenden Abend. Ohnehin scheut die polnische Regisseurin vor Großprojekten nicht zurück: In Bern hat sie Wagners «Ring» inszeniert, an der Staatsoper Stuttgart nimmt sie sich Poulencs Musikdrama...
Mit dieser Helikoptermutter sollte man sich besser nicht anlegen. Die Titelheldin von Donizettis Komischer Oper «La Mamma!» ist eine echte Teufelsmama, die sofort die Krallen ausfährt, wenn es um den Nachwuchs geht. Um ihre Tochter, die gerade ihr erstes Engagement als Sopranistin antritt, in die beste Startposition zu bugsieren, mischt sie den Theaterbetrieb...
