Zwischen den Fronten
Der brasilianische Komponist Antônio Carlos Gomes feierte in den 1870er Jahren in Italien große Opernerfolge. Dann wurde es still um ihn. Plácido Domingo bemühte sich in der Titelpartie von «Il Guarany» – dieses Werk begründete 1870 Gomes’ Ruf in Italien – um ein Revival, sowohl auf der Bühne (in Bonn) als auch auf CD. Das Interesse an Gomes hielt sich trotzdem in Grenzen. Ebenso wenig funktionierten Rehabilitationsversuche in Gomes’ Heimatland, etwa beim Festival in Manaus (siehe OW 7/2002).
Umso mehr bleibt nun zu hoffen, dass die Wiederentdeckung der 1874 in Genua uraufgeführten Oper «Salvator Rosa» die Neugier auf den Komponisten weckt. Rosa, einer der maßgeblichen italienischen Maler des 17. Jahrhunderts, steht im Zentrum dieses dramma lirico in vier Akten. Musikalisch gelang der Abend am Staatstheater Braunschweig vorzüglich, ein stimmiges Plädoyer für Gomes’ Partitur, die keineswegs den Stil der italienischen Oper der Zeit kopiert, sich vielmehr individuell anlehnt, aber auch französische Einflüsse erkennen lässt und Raum für couleurs locales bietet.
Der dramaturgische Aufbau der Geschichte wirkt konventionell. Salvator Rosa steht als Mittler zwischen den Fronten: auf der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Mescalina ist längst tot. Da schneidet ihr Nekrotzar in Calixto Bieitos blutigem Freiburger «Grand Macabre» noch ein Ohr ab und steckt es in den Mund. Eine fast identische Szene hatte es wenige Wochen zuvor mit anderen Beteiligten in Bieitos Basler Inszenierung von Janáceks «Aus einem Totenhaus» gegeben. Dort trug der Lageraufseher einen Pelzmantel, den man bereits...
Von allen großen Opern, die das Etikett «Komödie» tragen, dürfte Gaetano Donizettis «Don Pasquale» die melancholischste sein. Gefährlich dünn ist in dem 1843 uraufgeführten Werk der Firnis der Lustigkeit; am Ende bleibt von dem Versuch des alten Mannes, Leben und Jugend nachzuholen, nur ein bitteres «zu spät». Im Opernhaus merkt man davon leider meist nichts: Statt...
Die Aufführung von «Hoffmanns Erzählungen» unter James Levine und Jean-Pierre Ponnelle bei den Salzburger Festspielen war ein Novum, das bei der Premiere 1980 überwiegend kritisch aufgenommen wurde. Erst im Folgejahr stellte sich, nach einigen Umbesetzungen und regielichen Revisionen, der ganz große Erfolg ein. Dass er berechtigt war, lässt sich auf dem jetzt bei...
