Zwischen Bibliothek und Opernhaus / Zwischen 2 und 4 Uhr morgens
Einer derjenigen, die entdecken, die forschen, schürfen. Einer von denen in der Welt des Musiktheaters, die nicht «loslassen» können, wenn es um Unerforschtes, um Unentdecktes, genauer: um Opern und Opernstoffe geht, die am Rande des manchmal so einfallslos das Immergleiche aufbietenden Repertoires ihr Dasein fristen. Das war Andreas K. W. Meyer.
Meyer, im Juni 1958 in Bielefeld geboren, studierte nach einer musikreichen Kindheit und Jugend Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Germanistik in Münster.
Hernach arbeitete er als Rezensent unter anderem für die «Frankfurter Rundschau» und erstellte bald – und auch noch während seiner späteren Anstellungen – zahlreiche Beiträge für mehrere öffentlich-rechtliche Kulturradiosender.
Wer Meyer traf, der war sogleich beeindruckt von dieser charismatischen Persönlichkeit, die – mit einem Sinn für Ästhetik – Maßanzüge und langes graues Haar trug. Und noch viel mehr als das: kein Gang von Wohnung zum Opernhaus, ohne dass Meyer seine riesigen Stofftaschen gefüllt mit Partituren, Büchern und anderen Texten bei sich hatte. Ein sinnlicher Mensch, der jeder Note mit seinem Körper (nach)spürte; sei es bei Proben, sei es beim Studium in der ...
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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Arno Lücker
Nichts Geringeres als die Frage nach dem Sinn des Lebens treibt den Komponisten Leoš Janáček in seinen beiden letzten Opern um: «Die Sache Makropulos», 1926 uraufgeführt in Brünn, ist eine groteske Parabel über die menschliche Sehnsucht nach Unsterblichkeit; seine Dostojewski-Vertonung «Aus einem Totenhaus», im Sterbejahr des Komponisten (1928) entstanden,...
Einhundert Jahre schlief Dornröschen, die Prinzessin. Immerhin auf etwa die Hälfte brachte es Pinotta, die Waise. Doch nicht ein Prinz küsste sie wach, sondern ihr geistiger Vater – Pietro Mascagni, der Komponist dieses idillio in due atti über die Liebe dieser elternlosen Spinnereiarbeiterin zu ihrem Arbeitskollegen Baldo. 1880 hatte der damals 17-Jährige die...
Herr Gago, wie wird man Opern-Übersetzer?
Ich übersetze eigentlich hauptsächlich Literatur – zum Beispiel alle Bücher des New Yorker Musikpublizisten Alex Ross. Was die Opern-«Karriere» angeht, habe ich viel Glück gehabt und war oft zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Als die CD kam, übersetzte ich Hunderte von Booklets, mit Aufkommen der DVD dann zahllose...
