Gedankensplitter
Die Götter müssen verrückt sein! Wo bin ich da nur hingeraten?» Dergleichen mag Odysseus gedacht haben angesichts der Rumpelkammer, pardon: der begehbaren Kunstinstallation, in die sich Ithaka in den zwanzig Jahren seiner Abwesenheit verwandelt hatte. Wenn er schon die Heimat nicht wiedererkennt, wie wird es dann erst Penelope mit ihm ergehen? Kann es noch eine gemeinsame Zukunft geben? Das sind die großen Fragen an die Regie bei Monteverdis «Il ritorno d’Ulisse in patria».
In der Ausstattung von Anna Viebrock antworten Jossi Wieler und Sergio Morabito mit einem vorsichtigen «Ja»: Das Schlussduett des Paars mag schon die namenlose Freude feiern, doch erst im allerletzten Moment kommt es zu einer ersten, schüchternen Berührung nach so langer Zeit – Black.
Mit ihrer Inszenierung des eigentlich sprödesten, am seltensten separat aufgeführten Opus unter den drei erhaltenen Monteverdi-Werken hat die Wiener Staatsoper nun ihren entsprechenden Zyklus vollendet, der im Graben mit dem Concentus Musicus Wien unter der Leitung von Pablo Heras-Casado seine Konstante hatte, aber verschiedenen Regieteams anvertraut war. Wieler und Morabito basteln ein Mosaik aus Erzählsträngen, ...
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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Walter Weidringer
Benjamin Godard war zu seiner Zeit und auch danach ein allenfalls mäßig bekannter Komponist von Bühnenwerken, lediglich das Wiegenlied aus «Jocelyn» ist bis heute präsent. Im Hauptberuf unterrichtete Godard die Kammermusikklasse am Pariser Conservatoire – ein dringend benötigter Brotberuf, denn auch sein am 13. Mai 1890 an der Opéra-Comique uraufgeführtes...
L’italiana in Algeri» gehört neben «Il barbiere di Siviglia» und «La Cenerentola» zu den drei beliebtesten, meistgespielten Bühnenwerken Gioachino Rossinis. Mit diesem am 22 Mai 1813 in Venedig uraufgeführten dramma giocoso und dem wenige Wochen zuvor ebenfalls dort herausgekommenen melodramma «Tancredi» begann der Aufstieg des damals gerade 21-Jährigen zum...
Heitere Gefühle bei der Ankunft auf dem Lande keimen in diesem Ambiente nicht einmal ansatzweise auf. Der (fraglos unfruchtbare, ja massiv umweltverschmutzte) Schlamm auf dem Bühnenboden des Grand Théâtre de Genève ist sogar so tief, dass das Regieteam einschließlich des Dirigenten zum Schlussapplaus in Gummistiefeln erscheint, um die eigene Premierenrobe nicht zu...
