Magische Landschaften
Man muss nicht zwingend ein Buddhist sein, um den tieferen Charme dieses Satzes zu begreifen, seine gerade auf die Defizite der westlichen Spätmoderne anwendbare weltanschauliche Evidenz: «Der Weg ist das Ziel.» Bei der Premiere von Messiaens Musiktheater «Saint François d’Assise» Ende September 2002 an der San Francisco Opera wurde das philosophische Bonmot zu einem berührenden bildhaften Moment.
Von der Rampe führte, sanft ansteigend, ein serpentinengleicher, sich im Verlauf des Abends unentwegt drehender Weg in den Hintergrund, elegant geschwungen, von schlichter Schönheit – und zugleich Sinnbild für jenen Weg, den die Mönche in dieser megalomanen Oper, von bleiernem Gewicht beschwert, beschreiten (müssen): himmelwärts zum Licht, zu Gott, gleichsam als Kontrapunkt zu jenem Kreuz, das als Chiffre für die Leiden Jesu auf dem Bühnenboden verankert war und zudem als Projektion an der Bühnenrückwand aufschien – fast wie ein (christliches) Menetekel
Ersonnen hatte diesen «Weg» der Erkenntnis (und zugleich des religiösen Zweifels) Hans Dieter Schaal, zweifelsohne einer der fantasievollsten Bühnenbildner unserer Zeit – als untrügliches Zeichen dubioser Heilsverheißung. Die Inszenierung ...
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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Magazin, Seite 75
von Jürgen Otten
Letzte Dinge haben den Menschen schon immer interessiert, im Grunde seit jenem (sonnigen?) Tage, an dem er die Erde betrat, um sie und alles, was darauf herumkreuchte und -fleuchte, sich untertan zu machen. Insbesondere Endzeitvisionen waren von jeher in Mode, die Mächte des Thanatos mindestens so virulent wie die seines Kontrahenten Eros. Von den apokalyptischen...
Für Johann Sebastian Bach war Kirchenmusik, wie die Predigt des sonntäglichen Gottesdienstes, Verkündigung – «der Glaube gesungen», wie er selbst auf einem seiner Kantaten-Autographe notierte. Schon im Konzertsaal mit dem Kult der ästhetischen Autonomie, erst recht aber auf der Opern-, gar der Tanzbühne scheinen seine beiden großen Passionen fehl am Platz. Und doch...
Um das zehnjährige Bestehen des Linzer Opernhauses zu feiern, ist eine neue «Meistersinger»-Inszenierung eine gute Wahl. Noch dazu, wenn Markus Poschner und das Bruckner Orchester so transparent, so packend aufspielen und Paul-Georg Dittrich (Regie) und Sebastian Hannak (Bühne) sich der Szene derart originell annehmen. Selbst kecke Eingriffe – ein Kinderchor...
