Zwischen Aufbruch und Ärgernis
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
ich kann mir gut vorstellen, dass viele von Ihnen heute mit Skepsis ins Radialsystem gekommen sind. Sagen wir es mit einem Titel von Botho Strauß: Bekannte Gesichter – gemischte Gefühle. Was sollen sie denn bringen, solche Diskussionsrunden? Ist es nicht immer dasselbe: Letztlich reden die Beteiligten erst höflich, dann zunehmend genervt und teilweise auch taktisch aneinander vorbei. Und das geht ohne Mühe, weil die Aspekte, die Inhalte, die Zahlen so vielfältig sind, dass jeder sich herauspicken kann, was er braucht.
Ist nicht zum Thema des heutigen Abends fast alles gesagt? Klare Antwort: Ja! Es ist fast alles gesagt, aber das bedeutet nicht, dass auch alles funktioniert. Der geradezu hysterische Vorlauf, den diese Veranstaltung evoziert hat, und die Entwicklung der letzten Wochen, das alles zeigt, wie heikel und wie labil die Gesamtsituation der drei Opernhäuser in Berlin ist. Handstreichartig wird der Stiftungsdirektor ausgetauscht; ein Intendant wird an die Staatsoper berufen, und alle fragen sich, ob sich mit ihm wirklich ein Weg in die Zukunft verbindet. Die Deutsche Oper schlägt Alarm, rechnet ein Millionendefizit bis 2014 vor, muss ...
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Noch ehe die Kontrabässe zum tiefen Es des «Rheingold»-Vorspiels ansetzten, konnten Wagner-Fans sich über den just gestarteten neuen «Ring»-Zyk-lus an Plácido Domingos Los Angeles Opera orientieren: Fotos zeigten vorab die in kräftigen Farben leuchtenden, wilden Fantasieräume, die der Bühnenbildner und Regisseur Achim Freyer für das Projekt entworfen hat. Eine...
Um Hermann Becht war Freundlichkeit, Fairness und ein untrüglicher Sinn für Gerechtigkeit. Auf langen, entnervenden Proben konnte er, ohne ein Wort, seine Kolleginnen und Kollegen zum Durchhalten ermuntern. Aber wenn eine Probe sinnlos war, eine Disposition unprofessionell, ein Regisseur auf unangenehme Weise egoman, dann machte er den Mund auf und sagte, was Sache...
In Zusammenhang mit Raritäten stellt sich häufig die Frage, ob ein Werk nicht vielleicht doch zu Recht unter den Teppich des Vergessens gekehrt wurde. Bei Francesco Bartolomeo Contis Tragicommedia in fünf Akten «Don Chisciotte in Sierra Morena» kann man dies klar verneinen. Die Produktion der «Musikwerkstatt Wien» im Semperdepot bringt eine vergnügliche Begegnung...
